Versteckte Orte in Mainz: Aus Steinbruch wird Freilichtmuseum

In unserer Serie stellen wir euch Orte in Mainz vor, die nicht jeder kennt. Im elften Teil geht es um einen ehemaligen Kalksteinbruch, in dem man heute in 20 Millionen Jahren Erdgeschichte zurückreisen kann.

Versteckte Orte in Mainz: Aus Steinbruch wird Freilichtmuseum

Mit einem lauten Knall fiel im November 2009 der letzte Koloss auf dem Kalksteinbruch in Mainz-Weisenau. 100 Meter hoch war das Gebäude der beiden Wärmetauscher und damit schon von Weitem sichtbar. Hier wurde das Rohmehl für das Zementwerk vorgewärmt, das dann bei 1500 Grad zu Klinker gebrannt wurde, 44 Jahre lang.

Von den beiden Türmen und dem Zementwerk der HeidelbergCement AG ist heute nichts mehr zu sehen, ebenso wenig wie von dem Steinbruch, von dem aus mehr als 150 Jahre lang Kalkstein für die Zementproduktion gewonnen wurde.

Rückzugsgebiet für bedrohte Tiere und Pflanzen

Denn hier, am Rand von Weisenau, zwischen der A60 und dem Rhein, hat sich die Natur etwa 33 Hektar Fläche zurückerobert. Es wurden Biotope angelegt, Bäume und Hecken gepflanzt, Wege und mehrere Informationstafeln angebracht. Teilweise bedrohte Tiere und Pflanzen haben hier ein Rückzugsgebiet bekommen, etwa in der ehemaligen Abbauwand des Steinbruchs oder den Magerrasen an den trockenen Hängen oberhalb der Felswände. Vereinzelt gibt es Feuchtbiotope mit Amphibien und Wasserinsekten.

20 Millionen Jahre Erdgeschichte

Im Mai 2011 dann wurde der „GeoPfad Weisenau“ eröffnet, als eines der Leuchtturmprojekte von „Mainz – Stadt der Wissenschaft 2011“, wie es bei der Stadt heißt. 20 Millionen Jahre Erdgeschichte sollen auf dem 1,8 Kilometer langen Weg sichtbar gemacht werden. Man kann Überreste von Meeresbewohnern im Kalk finden, etliche Infoschilder liefern zusätzliche Erklärungen, vor allem zum Kalk. Entstanden ist er hier damals aus Mikroorganismen: Korallen, Kalkalgen, Muscheln, Bakterien und einzellige tierische Lebewesen. Die Mainzer Kalksteine wurden in der Tertiär-Zeit im Meeresbecken abgelagert.

So kommt ihr hin: Bester Zugang zum Pfad ist über die Wormser Straße. Parkplätze gibt es hier nur wenige. Nächste Haltestelle ist „Zur Alten Portland“, dort halten die Linie 60, 61 und 63.

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