Bereitschaftspraxis in Ingelheim: Mitarbeiter kämpfen gegen Schließung

In knapp zwei Wochen soll die ärztliche Bereitschaftspraxis in Ingelheim geschlossen werden – doch nicht, wenn es nach den Mitarbeitern geht.

Bereitschaftspraxis in Ingelheim: Mitarbeiter kämpfen gegen Schließung

Sieben Bereitschaftspraxen in Rheinland-Pfalz sollen zum 1. Januar 2024 schließen, darunter auch die Ärztliche Bereitschaftspraxis in Ingelheim. Die Mitarbeiter wollen das jedoch verhindern.

„Wir wehren uns gegen die Schließung unserer Bereitschaftspraxis und haben eine Petition auf den Weg gebracht, in der wir den Gesundheitsminister des Landes und den Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung auffordern, die Bereitschaftspraxis zu erhalten“, sagt Mitarbeiterin Ellen Maria Ernst gegenüber Merkurist. In neun Tagen haben bereits über 4000 Personen die Online-Petition unterzeichnet (Stand: 21. Dezember, 10:30 Uhr).

Einsparungen seien kein Argument

Hintergrund der bevorstehenden Schließung ist ein Urteil des Bundessozialgerichts, laut dem freiberufliche Ärzte im Bereitschaftsdienst jetzt auch sozialversicherungspflichtig sind. Laut eigener Aussage muss die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz rückwirkend bis zu 20 Millionen Euro nachzahlen, zukünftig würden die Personalkosten für niedergelassene Ärzte um 30 Prozent steigen. Die Lösung: Statt Bereitschaftspraxen will die KV ab 2024 vermehrt auf eine Telefonhotline und ärztliche Fahrdienste setzen, die die Patienten zu Hause besuchen.

Diese Entscheidung kritisieren die Mitarbeiter der Ingelheimer Bereitschaftspraxis scharf. „Das Argument der Kosteneinsparung greift nicht“, heißt es in der Petition. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass medizinisches Personal für lange Autofahrten bezahlt werden soll, anstatt es in einer Praxis vor Ort zu beschäftigen, wo es effektiver eingesetzt werden kann.“

Risiko für Patienten

Zudem sei das Risiko für die Patienten größer: Am Telefon könnten die Ärzte die Lage des Patienten schwerer beurteilen und es dauere länger, bis der Fahrdienst beim Patienten sei. Während dieser Zeit müsse der Patient allein zu Hause warten statt in der Praxis, wo er unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal steht. Letztendlich würde die Schließung der Bereitschaftspraxen also dazu führen, dass Rettungsdienste und Krankenhäuser überlastet werden, etwa wenn Patienten lieber in die Notaufnahme gehen, statt die Telefonhotline der Bereitschaftsärzte zu wählen.

Auch die Kreisverwaltung Mainz-Bingen kämpft für die Ingelheimer Bereitschaftspraxis. In einer gemeinsamen Resolution vom 4. Dezember fordern alle im Kreistag vertretenen Fraktionen gemeinsam mit der Landrätin von Mainz-Bingen, Dorothea Schäfer (CDU), die Bereitschaftspraxis zu erhalten.

Die Online-Petition der Ingelheimer Bereitschaftspraxis und weitere Informationen dazu findet ihr hier.