Können sich Familien Wohnraum in Mainz überhaupt noch leisten?

Wohnraum ist knapp, Mietpreise sind hoch. Vor allem Wohnungen mit vielen Zimmern sind für viele Mainzer nur noch schwer zu bezahlen. Verlassen daher immer mehr Familien die Stadt? Und was unternimmt die Verwaltung dagegen?

Können sich Familien Wohnraum in Mainz überhaupt noch leisten?

Seit einigen Jahren sorgen die Wohnungsmarktpreise in Mainz für Diskussionsstoff. Wohnraum ist teuer geworden, was vor allem Familien vor extreme Probleme stellen kann.

So hat kürzlich eine Analyse ergeben, dass Mieter in Mainz heute für 1000 Euro Kaltmiete deutlich weniger Wohnfläche als noch vor vier Jahren bekommen. Während man für diesen Preis im März 2022 noch durchschnittlich 87 Quadratmeter Wohnfläche bekam, sind es heute nur noch 78 Quadratmeter (wir berichteten). „Die Mietpreise sind der Wucher und niemand kümmert sich darum“, kritisiert auch ein Merkurist-Leser. Merkurist-Leser Matthias will beobachtet haben, dass in den vergangenen Jahren zunehmend mehr Familien die Stadt verlassen haben als zugezogen sind.

Ältere Menschen in zu großen Wohnungen

Steigende Mieten spielen eine entscheidende Rolle dabei, dass Menschen die Stadt verlassen. Preistreibend wirken etwa hohe Baukosten und eine große Nachfrage. Hinzu kommt, dass ein Umzug in eine kleine Wohnung oft teurer ist, als in der alten Wohnung zu bleiben – selbst wenn man nur noch alleine statt zu viert wohnt. So lohnt es sich etwa für ältere Menschen aufgrund der gestiegenen Mieten oft nicht, in eine kleinere Wohnung zu ziehen.

Im aktuellen Wohnungsbaubericht der Stadt Mainz kommt daher ein Senioren-Wohnungstauschprogramm der Wohnbau zur Sprache. So soll sich der Umzug für ältere Menschen, deren Wohnungen zu groß geworden sind, wieder lohnen. Gleichzeitig würden diese Wohnungen dann für Familien frei.

Familien ziehen ins Umland

Dass Familien aus der Innenstadt ins Umland ziehen, sei jedoch ein Phänomen, das seit den 1960er/70er-Jahren existiere, teilt Franziska Schuster von der Pressestelle der Stadt Mainz auf Merkurist-Anfrage hin mit – nicht nur in Mainz, sondern in alle größeren Städten. Der einfache Grund sei, dass sich der Bedarf ändere. So wünsche man sich mit Kindern etwa eine größere Wohnung mit mehr Zimmern, eine andere Lage und ein anderes Wohnumfeld. Familien, die ein „ländliches Wohnumfeld“ bevorzugen, würden dann gezielt nach Wohnorten außerhalb der Stadt suchen.

Somit seien Familien mit Kindern eine „klassische Gruppe von Wegziehenden“. Weitere Gründe für einen Wegzug seien das Einkommen und die individuelle wirtschaftliche Entwicklung, ebenso wie soziale Faktoren oder eine Änderung des Arbeitsumfelds. „Familien verlassen daher Mainz nicht allein aus Kostengründen, die Gründe sind vielfältig und beeinflussen sich teils gegenseitig“, heißt es von der Stadtpressestelle weiter.

Somit unterscheide sich die Zahl der Kinder in den einzelnen Mainzer Stadtteilen auch sehr stark. Das hat zum einen mit der Größe des Stadtteils zu tun – in der Mainzer Neustadt wohnen zum Beispiel 3736 Kinder, in Drais 440. Eine große Rolle spiele aber auch das Wohnumfeld: Denn einen überdurchschnittlichen Anteil an Familien würden Stadtteile mit familienfreundlichen Wohnformen und einem entsprechenden Umfeld aufweisen, so Schuster.

Wenig Familien in der Innenstadt

Ein unterdurchschnittlicher Anteil an Familien mit Kindern gebe es hingegen in der Innenstadt (darunter Altstadt, Neustadt, Oberstadt und Hartenberg-Münchfeld). Gründe dafür seien die entsprechende „Bebauungsstruktur“ sowie ein hoher Anteil an jungen Menschen. Somit würde auch das hohe Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre in Mainz maßgeblich mit jungen Erwachsenen zusammenhängen: Studierenden, Auszubildenden und jungen Berufstätigen. Dennoch würden insgesamt mehr Menschen aus Mainz wegziehen als Neue hinzukommen. „Im Schnitt hat Mainz in der Dekade zwischen 2015 und 2024 rund 585 Personen pro Jahr an das Umland verloren“, erklärt Franziska Schuster von der Pressestelle.

Wie will die Stadt Mainz den Wegzug von Familien verhindern?

Die Stadt versucht dem gegenzusteuern. So seien etwa zwischen 2015 und 2024 rund 12.000 Wohnungen geschaffen worden. Neue Quartiere, wie das Heiligkreuzviertel, würden mit den verschiedenen Wohnungsgrößen und -typen eine „gute Durchmischung“ schaffen und seien daher bei Familien beliebt. „Damit stellen sie eine Alternative zur Abwanderung ins Umland dar“, so Schuster.

Die entsprechende Infrastruktur sei hier ebenfalls direkt vorhanden, darunter Einzelhandel und Gastronomie, Kitas, Spielplätze und ein Nachbarschaftscafé. Ähnlich sei es bei dem geplanten Bauquartier auf dem Gelände der ehemaligen GfZ-Kaserne, dem Quartier beim ehemaligen Pflanzenschutzamt in Bretzenheim oder der Medienberg in Lerchenberg. Auch der Bestand von geförderten Wohnungen sei seit 2015 um 1200 gestiegen. Denn seit zehn Jahren bestehe bei größeren Bauprojekten die Verpflichtung, mindestens ein Drittel geförderte Wohnungen zu schaffen.

9000 weitere Wohnungen bis 2035 in Mainz

Bis etwa 2035 sehe man noch „Potentiale für die Schaffung von rund 9000 weiteren Wohnungen“, erklärt Franziska Schuster. So wolle die Stadt versuchen, Baulücken zu schließen, Häuser aufzustocken oder anzubauen und Gebäude umzunutzen. Hauseigentümer könnten sich dahingehend ab August sogar von einem „Baulückenmanager“ beraten lassen.

Langfristig sollen zudem neue Flächen für bezahlbaren Wohnraum, auch für Familien, geschaffen werden, etwa in Hechtsheim und Ebersheim. Vorbereitende Untersuchungen liefen bereits. Laut dem aktuellen Wohnungsmarktbericht hat ein Gutachter insgesamt 28 Empfehlungen abgegeben, wie sich der Wohnungsmarkt in Mainz künftig weiter „ausrichten“ könne. Die Möglichkeiten würden nun ebenfalls geprüft, so die Stadtpressestelle. Dabei setze man aber auf die Mitarbeit „aller Akteure“, heißt es weiter – vor allem den privaten. Denn nur so könne die „Umsetzung erfolgreich angegangen werden“.