Für ein Budget von 1000 Euro Kaltmiete bekommen Mieter in Mainz heute deutlich weniger Wohnfläche als noch vor vier Jahren. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Portals „Immowelt“ hervor, das die Angebotsmieten in 80 deutschen Großstädten untersucht hat.
Neun Quadratmeter weniger Wohnraum in Mainz
Konkret erhielten Wohnungssuchende in Mainz im März 2022 für 1000 Euro Kaltmiete noch eine Wohnung mit durchschnittlich 87 Quadratmetern. Vier Jahre später sind es für das gleiche Geld nur noch 78 Quadratmeter. Das ist ein Rückgang von neun Quadratmetern beziehungsweise 10,3 Prozent.
Der bundesweite Trend sieht ähnlich aus. In 60 der 80 untersuchten Städte ist die leistbare Wohnfläche laut der Analyse um mindestens zehn Prozent geschrumpft. Besonders drastisch ist der Rückgang etwa in Berlin, wo Mieter für ihr Budget 16 Quadratmeter weniger bekommen als 2022. In Hamburg sind es 12 Quadratmeter, in der hessischen Nachbarstadt Wiesbaden zehn Quadratmeter weniger. Den höchsten Rückgang gibt es in vielen Städten im Ruhrgebiet, darunter Gelsenkirchen mit 29 Quadratmeter beziehungsweise 16,5 Prozent Wohnfläche weniger.
Vielfältige Gründe für steigende Mieten
Die Gründe für den rasanten Anstieg der Mieten sind laut der Analyse vielfältig. Die Experten sprechen von einem „perfekten Sturm auf dem Mietmarkt“, der durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren angetrieben wird.
Ein Hauptgrund sind die massiv gestiegenen Baukosten. Weil der Neubau dadurch für Investoren oft nicht mehr rentabel ist, werde weniger neuer Wohnraum geschaffen. Gleichzeitig müssten Vermieter die gestiegenen Kosten für Instandhaltungen an die Mieter weitergeben.
Zudem habe die Zinswende ab 2022 den Traum vom Eigenheim für viele platzen lassen. Diese Menschen wohnen nun weiterhin oder neu zur Miete und erhöhen dort den Druck auf die bestehenden Mietwohnungen. Ein weiterer Faktor ist der sogenannte Überlauf-Effekt: Weil Metropolen wie Frankfurt für viele zu teuer werden, weichen sie auf umliegende Städte wie Mainz aus, was auch hier die Nachfrage und damit die Preise treibt. Im Ruhrgebiet gebe es zudem einen „Nachholeffekt“: In Städten, in denen die Mietpreise lange Zeit ein niedriges Niveau hatten, macht eine Erhöhung schnell einen zweistelligen prozentualen Sprung.
„Die Mietentwicklung in den Großstädten ist besorgniserregend: Wenn in Berlin für 1000 Euro binnen vier Jahren die Fläche eines Zimmers wegbricht und in München für dasselbe Geld nicht einmal mehr 50 Quadratmeter übrigbleiben, entzieht das Normalverdienern die Lebensgrundlage“, sagt Immowelt-CEO Theo Mseka. Er fordert: „Ohne gezielte Entlastungen beim Bauen wird sich die Spirale aus schrumpfenden Flächen und steigenden Mieten weiterdrehen.“