Mainz soll grüner und kühler werden. Denn nicht nur Hitze-Rankings zeigen: In der Stadt wird es im Sommer sehr heiß, viele Menschen leiden unter den Belastungen, die mit den hohen Temperaturen einhergehen.
An zahlreichen Standorten in der Stadt sollen daher versiegelte Flächen aufgebrochen und in Grünflächen umgewandelt werden. So soll laut Stadt das Regenwasser besser versickern können, die Umgebung abgekühlt und die Aufenthaltsqualität für die Bürger gesteigert werden. Geplant ist, Asphalt- oder Steinflächen durch Grünflächen zu ersetzen und sie mit Bäumen oder Gehölzen zu bepflanzen sowie neue Sitzbänke aufzustellen.
Für die Umgestaltung vorgesehen sind etwa Flächen am Barbarossaring, an der Kaiserstraße Ecke Boppstraße, in der Altenauergasse Ecke Hintere Christofsgasse, am Balthasar-Maler-Platz, in der Holzhofstraße Ecke Schönbornstraße, in der Reichklarastraße sowie in der Neubrunnenstraße.
Fast 900.000 Euro für Entsiegelungsprojekte
Fast 900.000 Euro sind in diesem Jahr im Haushalt für die Projekte eingeplant. Zusätzlich erhält die Stadt aus dem Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ etwa 500.000 Euro. Die Gelder müssen bis Ende 2027 abgerufen und verbaut sein (wir berichteten). Doch bisher ist noch keine der Flächen entsiegelt. Wann also beginnen die Bauarbeiten?
„Erste neue Entsiegelungsprojekte laufen ja bereits“, erklärt Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) im Gespräch mit Merkurist. So befinde sich das Regierungsviertel rund um den Ernst-Ludwig-Platz im städtebaulichen Wettbewerb, die Beschlussvorlage der geplanten Maßnahmen in der Neubrunnenstraße sei im „Gremienlauf“. Nach Entscheidung des Stadtrats soll es hier bald losgehen. Auf rund 160 Quadratmetern sollen neue Pflanzflächen entstehen, auf denen Bäume, Gehölze und Stauden wachsen. Außerdem sind zusätzliche Fahrradabstellmöglichkeiten und kleine Sitzgelegenheiten vorgesehen. Dafür müssen einige Parkplätze weichen (wir berichteten). Die Umgestaltung des Jockel-Fuchs-Platzes und das neue Rheinufer als „weitere Großprojekte“ würden ebenso „weiter vorangetrieben“, so Haase weiter.
Der Fokus bei den Entsiegelungsprojekten liege dabei auf der Innenstadt, da sie der am stärksten versiegelte Teil von Mainz sei. Vorschläge aus den verschiedenen Stadtteilen seien aber auch schon eingebracht worden.
„Ich weiß, man erwartet jetzt: ‘Reiß doch mal die Straße auf’, aber so funktioniert es nun mal nicht“, so Haase. Leitungen im Boden oder Flächen für die Feuerwehr müssten etwa berücksichtigt werden, erschwerend komme hinzu, dass Mainz historisch als Festungsstadt geplant wurde „und nicht wie eine Residenzstadt mit großen Parkanlagen“. Das mache die Planungen „sicherlich ungleich schwerer“, so Haase. Zudem seien solche Projekte eine „wahnsinnige Aufgabe“ für finanziell stark belastete Kommunen. Es brauche ein „klares politisches Bekenntnis“, um die notwendigen Mittel dauerhaft bereitzustellen.
Weniger Parkplätze, mehr Aufenthaltsqualität
Gleichzeitig sei die Begrünung auch mit der Mobilitätswende verknüpft. Zukünftig würden „Stellplätze in der Innenstadt weichen, damit wir dort entsiegeln und begrünen können“, so Haase. Dies sei vor allem für die Anwohner wichtig, um das Mikroklima vor ihren Fenstern zu verbessern. Als Alternativen, um das Auto in der Innenstadt abzustellen, verweist Haase auf die zahlreichen Parkhäuser mit ihren Angeboten wie „Park@Night“. „Wir müssen uns um Alternativen kümmern, und das tun wir insbesondere mit den vielen Plätzen in unseren Parkhäusern.“
Um die neuen Grünflächen langfristig erhalten zu können, setzt Haase auch auf bürgerschaftliches Engagement bei der Pflege und Bewässerung.