Zahlreiche Baustellen, die Sorge um große Kaufhäuser wie Galeria und auch Leerstände: Der Einzelhandel in der Mainzer Innenstadt kämpft weiterhin mit großen Herausforderungen. Doch wie steht es wirklich um den Einkaufsstandort? Auf Anfrage von Merkurist hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen die aktuelle Lage bewertet.
Kritik an Baustellen und Verkehr wird lauter
Die Hauptgeschäftsführerin der IHK, Karina Szwede, betont, dass die zuletzt von vielen Händlern geäußerte Kritik an den Rahmenbedingungen in der Stadt nachvollziehbar sei. Die Erreichbarkeit der Geschäfte für Kunden und Mitarbeiter sei von entscheidender Bedeutung. Denn der stationäre Handel könne seine Stärken vor allem durch „Beratung, Service, Aufenthaltsqualität und besondere Einkaufserlebnisse“ ausspielen.
Eine aktuell laufende Umfrage der IHK bestätige die Probleme: Eine große Mehrheit der Betriebe berichte darin von erheblichen Einschränkungen aufgrund der Verkehrs- und Baustellensituation. Dies wirke sich auf Beschäftigte, Kundschaft, Lieferverkehr und letztlich auch die Umsätze aus. Die Unternehmen würden deshalb eine besser koordinierte Baustellenplanung und eine verlässlichere Kommunikation erwarten.
Trotz der Schwierigkeiten bleibe die Mainzer Innenstadt ein „starker Einkaufsstandort“, sagt Szwede. Gründe dafür seien die hohe Kaufkraft in der Region und die große Angebotsvielfalt, die auch Kunden aus dem Umland anziehe. Gleichzeitig zeigten jedoch Schließungen wie die von Wirth, wie sehr der Handel unter Druck stehe. „Länger andauernde Leerstände an prominenten Standorten sind grundsätzlich problematisch. Sie können die Attraktivität eines Quartiers beeinträchtigen und Entwicklungen bremsen“, sagt Szwede. Außer dem Wettbewerb durch den Online-Handel würden die schwache Konjunktur, die zurückhaltende Konsumstimmung sowie die Verkehrs- und Baustellensituation viele Betriebe belasten“, so die IHK-Chefin.
Innenstadt muss zum „Erlebnisort“ werden
Um die Innenstadt attraktiver zu machen, brauche es laut IHK mehr als nur Handel. Erfolgreiche Zentren würden Einkaufen, Gastronomie, Kultur und Freizeitangebote miteinander verbinden. Wichtig seien eine hohe Aufenthaltsqualität und eine gute Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln, auch mit dem Auto. „Wer gerne in die Innenstadt kommt, kauft dort auch ein“, fasst Szwede zusammen. Es müssten zusätzliche Besuchsanlässe geschaffen werden. Die IHK unterstütze die Betriebe dabei unter anderem mit der Kampagne „Heimat shoppen“ und mit individuellen Ladenchecks.
Länger andauernde Leerstände an prominenten Orten, wie beim ehemaligen City-Hotel in der Großen Bleiche, seien zwar problematisch, doch die Zukunft der Innenstadt hänge nicht an einer einzelnen Immobilie. Entscheidend sei ein lebendiger Nutzungsmix.
Wie geht es mit Kaufhof weiter?
Von großer Bedeutung für die Attraktivität der Mainzer Innenstadt sehen viele den Verbleib von Galeria in der Schusterstraße. Galeria hatte die Mainzer Filiale zuletzt auf den Prüfstand gestellt (wir berichteten). Mit Blick auf die Zukunft von Galeria Kaufhof teilt die Stadt Mainz auf Anfrage von Merkurist mit, dass das Wirtschaftsdezernat in Gesprächen mit dem Konzern sei. Man setze sich dafür ein, dass der Standort Mainz erhalten bleibt. Ob dies auch gelingen wird, wird die Zukunft zeigen.