Historisches Erbe, viel Denkmal, eine ganze Reihe von Kultur-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, an vielen Ecken eine gute Bausubstanz: Das Wormser Domquartier südwestlich der Innenstadt hat einiges Potenzial, zu einem attraktiven Gebiet zu werden.
Doch es gibt auch neuralgische Punkte – etwa das leerstehende Gesundheitsamtsgebäude, das sanierungsbedürftige Hochstift und Andreasstift, die stark befahrene B47, die deutschlandweit überdurchschnittliche Hitzebelastung in der Wormser Innenstadt und schlecht zugängliche Grünflächen, darunter der Heilige Sand, der Heylshof oder der Museumsgarten im Andreasstift. Mit Hilfe der Städtebauförderung von Bund und Land soll die Situation zwischen Luthering, Stephansgasse, Neumarkt, Valckenbergstraße, Hochstraße und Neusatz nachhaltig verbessert werden.
Domquartier soll lebendig und durchgrünt werden
Dazu stellen Bund und Land bis 2032 über 20 Millionen Euro bereit. Im Anfang Oktober vom Stadtrat zum Domquartier verabschiedeteten integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) ist festgeschrieben, wie sich das Viertel entwickeln soll und welche Maßnahmen mit den Fördergeldern umgesetzt werden sollen.
Das Domquartier soll demnach zu einem lebendigen und durchgrünten Stadtviertel werden, das den Einzelhandel in der Innenstadt mit Kultur-, Bildungs- und Sozialangeboten ergänzt und sowohl für Anwohner als auch Gäste attraktiv sein soll. Da Budget und Förderzeitraum begrenzt sind, sind die geplanten Maßnahmen grob in drei Projektphasen priorisiert.
Neue Plätze für Anwohner und Gäste schaffen
In der ersten Phase sollen das Andreasquartier mit dem ehemaligen Gesundheitsamt, das Hochstiftareal, das Andreasstift, der Neumarkt und die Hagenstraße im Fokus sein. Das ISEK sieht für das Andreas- und das Hochstiftareal jeweils eine Konzeptvergabe-Verfahren vor, bei der die beiden Gebäudekomplexe durch Private neu gestaltet werden und dort auch Wohnraum entstehen soll. Dabei zeigt der Wormser Projektentwickler Tim Brauer bereits großes Interesse am derzeit leerstehenden Gesundheitsamtsgebäude (wir berichteten).
Mit den Fördergeldern soll auch geprüft werden, inwieweit der bisher nur für Museumsgäste offenene Garten des Andreasstifts für die Allgemeinheit geöffnet werden kann. Der Neumarkt und die Hagenstraße sollen in Phase 1 als zentrale Orte für Touristen und Gäste aufgewertet werden. In der zweiten Phase ab 2028 soll an der Jugendherberge ein neuer Aufenthaltsort entstehen, während insgesamt die Aufenthaltsqualität auf dem Weckerlingplatz und an der Magnunskirche gesteigert werden soll.
Darüber hinaus ist vorgesehen, in dieser Phase den Schulhof der Neusatz-Grundschule zu einem „offenen Neusatzspielpark“ umzufunktionieren und die Valckenbergstraße neuzugestalten. Die Andreasstraße, die Wollstraße und die Stephansgasse sollen in der dritten Phase ab 2031 folgen. Auch das direkte Domumfeld soll in dieser letzten Projektphase aufgewertet werden, unter anderem, indem Wegeverbindungen verbessert werden. In Nachbarschaft zum Hochstift soll überdies ein grüner Stadteingang am Heiligen Sand und Neusatz entstehen.
Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer
Bei den Maßnahmen im Straßenraum sollen neue Bäume gepflanzt werden und Fußgänger und Radfahrer mehr Platz erhalten. Dazu sollen die Fahrbahnbreiten reduziert werden. Es bräuchte laut ISEK mehr Grün, mehr entsiegelte Flächen und neue Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum, um für den Klimawandel gewappnet zu sein, da die bisherigen Grünflächen nicht ausreichten und die Hitzebelastung in der Stadt bereits heute hoch sei.
In der Stadtratsdebatte zum ISEK-Beschluss sorgte sich die FDP-Fraktion, dass das ISEK eine „autofreie Innenstadt durch die Hintertür“ vorsehe. Stadtentwicklungsdezernent Timo Horst (SPD) entgegnete, dass das ISEK als städebauliches Konzept keine verkehrsrechtlich bindende Wirkung habe. Richtig sei aber, dass man Straßen im Quartier verkehrsberuhigen wolle. Positiv spiele mit ein, dass die Südumgehung den Bundesstraßenverkehr aus der Innenstadt holen werde.
Projektumsetzung steht aus
In Zeiten hoher Baukosten und einer angespannten Lage in der Baubranche bleibt abzuwarten, inwiefern alle Baumaßnahmen wie anvisiert abgeschlossen werden können und ob der Zeitplan und das Budget für alle Maßnahmen ausreichen. Während bislang die Kosten der Maßnahmen überschlagen wurden und derzeit lediglich unverbindliche Ideenskizzen die Bauprojekte visualisieren, müssen sie schließlich noch detailliert geplant und von den städtischen Gremien beschlossen werden – oder im Falle des Andreas- und des Hochstiftareals von privaten Investoren umgesetzt werden.