Der Wohnungsmarkt in Wiesbaden ist angespannt. Seit Anfang 2025 zählt die Stadt über 300.000 Einwohner mit weiter leicht steigender Tendenz. Die Stadt versucht mit einer Tauschbörse die Situation zu entspannen. Gleichzeitig leben rund 23.000 US-Soldaten, Familienangehörige, Zivilangestellte, lokale Ortskräfte und Dienstleister im Bereich der U.S. Army Garnison Wiesbaden. Das teilt die US-Army auf Anfrage mit.
Viele davon sind auf den US-Grundstücken und Militärbasen in der Nähe untergebracht. „Rund 2.450 Militärangehörige und Zivilangestellte sowie deren Familien leben in den Liegenschaften der US-Armee auf dem Hainerberg, der Clay Kaserne, im Aukamm und in Crestview“, erklärt eine Sprecherin der US-Armee gegenüber Merkurist.
Noch mehr mieten jedoch laut Sprecherin Wohnungen in der Stadt. „Weitere rund 2.700 Militärangehörige und Zivilangestellte sowie deren Familien wohnen auf dem privaten Wiesbadener Wohnungsmarkt.“
Das gilt für Amerikaner auf Wohnungssuche
Militärangehörige seien verpflichtet, sich für die Zuweisung von Wohnraum beim Wohnungsamt der Garnison anzumelden. Außerhalb des Stützpunktes wohnende Soldaten und Zivilangestellte suchen sich hingegen ihre Mietwohnung selbstständig. „Das Wohnungsamt der Garnison unterstützt sie dabei“, so die US-Army. Beispielsweise mit einem eigenem Mietportal und bei der Abstimmung mit deutschen Vermietern.
Alle Soldaten und zugehörigen Zivilisten haben Anspruch auf Unterstützung, heißt es auf der Website der US-Armee. Aber nicht nur die US-Regierung hilft Amerikanern in Wiesbaden unterzukommen. Zahlreiche Immobilien-Makler und -Firmen werben im Internet mit einer Spezialisierung auf US-Angehörige.
Warum sich Vermieter auf US-Angehörige spezialisieren
Seitdem 2012 das Hauptquartier des US-Heeres für Europa und Afrika aus Heidelberg abgezogen und nach Wiesbaden in die Clay Kaserne verlegt wurde, habe sich die Nachfrage nach geräumigen Wohnraum von amerikanischen Mieter erheblich vergrößert, heißt es auf der Seite eines Immobilienvermittlers. Dieser ist einer von vielen Maklern im Internet, die sich mit ihrem Angebot speziell an Amerikaner auf Wohnungssuche richten.
Stephan Schlocker vom Immobilienverband Deutschland Mitte (IVD) erklärt dazu: „Für neu in Wiesbaden ankommende US-Angehörige ist die Wohnungssuche aufgrund der Sprachbarriere und der Besonderheiten des deutschen Mietmarktes oftmals schwierig.“ Spezialisierte Immobilienunternehmen könnten daher eine erhebliche Unterstützung bieten, indem sie beispielsweise deutsche Regelungen zu Betriebskosten und Kaution, Wohnungsübergabe erklären.
Hohe Mieteinnahmen in Top-Lagen
Aber auch Vermieter werden von Immobilienfirmen für amerikanische Mieter umworben. Von „attraktiven Mieteinnahmen, oftmals über dem ortsüblichen Niveau“ ist bei einem Anbieter die Rede. „Mit Expats als Mieter sichern Sie sich höhere Einnahmen und zuverlässige Zahlungen“, heißt es auf einer weiteren Immobilienseite.
„Wir können keine Aussagen darüber treffen, ob deutsche Vermieter bestimmte Präferenzen bezüglich der Vermietung an Amerikaner haben“ sagt die US-Army auf Nachfrage. Laut IVD erhalten US-Militärangehörige häufig abhängig von ihrem Dienstgrad Unterstützung bei den Wohnkosten vom Militär. Dadurch seien Mietzahlungen vergleichsweise gut abgesichert. Unvorteilhaft für deutsche Vermieter seien hingegen die oftmals kürzeren Kündigunsfristen, durch die höhere „Fluktuation“ entstehen könne.
Besonders beliebt bei amerikanischen Mietern sind Wohnungen in der Nähe der US-Einrichtungen. Maximal 20 bis 30 Minuten Fahrzeit sollten es laut Angaben mehrerer Makler zur Clay Kaserne, Mainz-Kastel oder dem Amelia Erhart Building sein. Außerdem sei „die Nachfrage in Top-Lagen wie Sonnenberg, Aukamm oder Bierstadt ungebrochen hoch“, heißt es auf einer weiteren Seite.
Immobilienverband sieht keine Verschärfung
Circa 2000 Wohnungen fehlten 2016 in Wiesbaden. Das schätzte das Pestel-Institut damals im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung. „Es ist fraglich, inwieweit die Schätzung auf die heutige Situation übertragbar ist“, so Schlocker. Bei circa 114.000 Wohnungen im Jahr 2023 entspräche das Defizit einer Quote von rund 1,75 Prozent. „Nach unserer Einschätzung dürfte sich diese Größenordnung seither nicht wesentlich verändert haben“, so der Pressesprecher weiter.
Wird dieser Mangel am Wohnungsmarkt durch die Nachfrage von Amerikaner verschärft? „Der IVD sieht hierfür keine Anhaltspunkte und kann eine entsprechende Verschärfung des Wiesbadener Wohnungsmarktes nicht feststellen“, sagt Schlocker abschließend.
Die Politik betont währenddessen die Bedeutung des US-Militärs vor Ort. „Die Präsenz der US-Streitkräfte in Hessen ist ein wichtiges Element für Europas Sicherheit“, sagte Hessens Minister für Internationales, Manfred Pentz (CDU), Anfang Mai. Für die Landeshauptstadt fasste er die Bedeutung so zusammen: „In Wiesbaden sind die Amerikaner Nachbarn und Freunde – aber auch Wirtschaftsfaktor.“