So sah Wiesbaden früher aus

Obwohl Wiesbaden den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise glimpflich überstand, sehen viele Gebäude heute anders aus. In Teil 3 unserer Serie zeigen wir euch Institutionen damals und heute.

So sah Wiesbaden früher aus

In Wiesbaden gibt es viele gut erhaltene Gebäude. In Teil 1 unserer Serie zeigten wir euch alte Bilder von Prachtbauten wie dem Kurhaus und in Teil 2 von bekannten Plätzen in der Stadt. Hier seht ihr Gebäude wichtiger Institutionen und wie sie früher aussahen.

Rathaus

Das heutige Rathaus sieht nicht mehr ganz so aus, wie es ursprünglich gebaut wurde. Entstanden ist es von 1883 bis 1887, weil das Alte Rathaus aus dem 17. Jahrhundert zu klein wurde. Zuvor standen zwischen Marktstraße und Marktkirche neun Gebäude – darunter der „Koppensteinsche Hof". Ihn kaufte die Stadt 1868, um darin das neue Rathaus einzurichten.

Die übrigen Häuser wurden abgerissen. Beauftragt wurde der durch den Rathausbau in München bekannt gewordene Architekt Professor Dr. Georg Ritter von Hauberisser. Äußerlich übertraf das neue Gebäude im Renaissance-Stil mit seinem fünfeckigen Grundriss und den Ecktürmen sogar das gegenüberliegende Stadtschloss an Prunk.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die kunstvoll gestaltete Hauptfassade allerdings weitgehend zerstört und nur vereinfacht wieder aufgebaut. Der Hauptgiebel mit seinen zwei spitzen Türmen überstand den Krieg zwar, wurde aber 1949 von der Stadtverwaltung wegen Einsturzgefahr abgerissen. Beim Wiederaufbau wurden nur einzelne historische Teile, wie die gewölbte Eingangshalle, das Treppenhaus und der breite Flur des ersten Obergeschosses, beibehalten.

Landtag

Der heutige Landtag wurde ursprünglich als Residenz der Herzöge von Nassau gebaut. Das klassizistische Stadtschloss entstand zwischen 1837 und 1841. Herzog Wilhelm, der den Bau in Auftrag gab, erlebte die Fertigstellung jedoch nicht mehr. Sein Sohn Adolf I. bezog das Schloss im November 1841. Diese Postkarte aus dem Jahr 1920 zeigt, wie anders die Umgebung rund um das Stadtschloss früher aussah:

Nach der Annexion des Herzogtums durch Preußen 1866 diente das Schloss den preußischen Königen und späteren Kaisern als Residenz. Vor allem Kaiser Wilhelm II. war oft zu Gast. Nach dem Ende der Monarchie 1918 wurde das Gebäude unter anderem als Museum genutzt, bevor es nach dem Zweiten Weltkrieg seit 1946 als Sitz des Hessischen Landtags dient.

Erbprinzenpalais

Das Erbprinzenpalais in der Wiesbadener Wilhelmstraße ist heute Sitz der Industrie- und Handelskammer (IHK). Das von 1813 bis 1817 erbaute klassizistische Gebäude war eigentlich für den nassauischen Erbprinzen Wilhelm als Wohnsitz gedacht. Der zog stattdessen ins Biebricher Schloss.

Das ungenutzte Palais wurde daraufhin zum Verwaltungsgebäude. Ab 1821 beherbergte es die spätere Hessische Landesbibliothek und auch die Sammlungen des heutigen Museums Wiesbaden. Nachdem diese zwischen 1913 und 1915 in neue Gebäude umzogen, wurde das Palais zum Behördenzentrum und nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz des hessischen Justizministeriums. Im Jahr 1968 kaufte die Industrie und Handelskammer (IHK) das Gebäude.

Heute ist das Erbprinzenpalais das einzige erhaltene der drei klassizistischen Gebäude von Statdbaumeister Christian Zais in Wiesbaden.

Altes Polizeipräsidium in der Friedrichstraße

Das alte Polizeipräsidium in der Wiesbadener Friedrichstraße blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Der Prachtbau im Renaissancestil wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und diente über viele Jahrzehnte als zentraler Sitz der Polizei.

Der Bau wurde zwischen 1904 und 1908 errichtet. Weil auf dem kleinen Grundstück auch Stallungen für die neu eingeführte berittene Polizei untergebracht werden mussten, konnten die Bauvorschriften nicht eingehalten werden. Nachdem Kaiser Wilhelm II. persönlich einige Änderungen vorgenommen hatte, erteilte er 1902 die Baugenehmigung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ostflügel des Gebäudes bei einem Bombenangriff zerstört. Nach dem Krieg nutzten die Wiesbadener Schutz- und Kriminalpolizei das Areal weiterhin. Mit dem Auszug des 1. Polizeireviers Anfang 2019 verlor der Standort endgültig seine Funktion als Polizeistation. Das Gelände wurde daraufhin unter dem Projektnamen „Dern’sche Höfe“ neu entwickelt. Dabei wurden die jüngeren Erweiterungsbauten abgerissen, während die denkmalgeschützte historische Fassade erhalten blieb.