So sah Wiesbaden früher aus

Wiesbaden hat den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise glimpflich überstanden. Trotzdem hat sich das Stadtbild im Laufe der Zeit stark verändert. In Teil 1 unserer Serie zeigen wir euch, wie die Prachtbauten früher aussahen.

So sah Wiesbaden früher aus

Wiesbaden gilt als eines der bedeutendsten Beispiele für erhaltene Bauten des Historismus in Deutschland. Dennoch hat sich das Aussehen der Stadt auch immer wieder verändert. In Teil 1 unserer Reihe zeigen wir euch alte Bilder von ikonischen Prachtbauten aus der Stadt.

Kurhaus

Das Kurhaus, das die Wiesbadener heute kennen, ist nicht das erste der Stadt. An gleicher Stelle wurde bereits 1810 das sogenannte Alte Kurhaus eröffnet. Anfang des 19. Jahrhunderts sollte in Wiesbaden ein „Gesellschaftshaus“ für das beliebte Glücksspiel entstehen. Der Architekt Christian Zais entwarf daraufhin einen klassizistischen Bau mit einem mittigen Säulenportikus und seitlichen Säulengängen.

Mit der Zeit wurde das Gebäude jedoch zu klein für die wachsende Zahl an Kurgästen. Nachdem auch bauliche Mängel festgestellt worden waren, entschied sich die Stadt für einen Abriss und einen Neubau. Das Alte Kurhaus wurde 1904 abgerissen. Fünf Jahre nach Planungsbeginn wurde 1907 das neue Kurhaus in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht.

An den Vorgängerbau von 1810 erinnert heute nur noch wenig. Am Rande des Nizzaplätzchens, neben dem heutigen Kurhaus, stehen aber noch zwei große Sandsteinsäulen, die einst zum Mittelbau des alten „Gesellschaftshauses“ gehörten.

Biebricher Schloss

Einst ein Gartenhaus, heute ein bedeutendes Barockschloss am Rhein. Die Entwicklung des Biebricher Schlosses begann um 1700, als Fürst Georg August von Nassau-Usingen am Rheinufer zunächst ein Gartenhaus und später zwei pavillonartige Wohnschlösschen errichten ließ. Ab 1707 verband der Baumeister Maximilian von Welsch die beiden Bauten durch Galerien und eine zentrale Rotunde.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage stark beschädigt, der Ostflügel brannte bis auf die Außenmauern nieder und wurde später abgerissen. Nach dem Krieg wurde das Schloss zunächst vernachlässigt. Erst in den 1960er-Jahren begann die hessische Landesregierung mit der Restaurierung – wohl unter anderem wegen Beschwerden von schockierten Besuchern aus den Niederlanden und aus Luxemburg, wo das Haus Nassau noch die Staatsoberhäupter stellt.

Von 1980 bis 1982 wurde der zerstörte Ostflügel rekonstruiert, sodass das Schloss wieder sein ursprüngliches Erscheinungsbild hat. Heute dient es als Sitz des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Marktkirche

Sie ist mit knapp 89 Metern das höchste Gebäude Wiesbadens: die Marktkirche. Erbaut wurde die neugotische Kirche zwischen 1853 und 1862, nachdem der Vorgängerbau bei einem Feuer zerstört worden war. Der Baumeister Carl Boos wurde 1851 mit der Planung beauftragt.

Als Vorbild für den, für die Region untypischen, Backsteinbau diente die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin. Boos ließ sich von der Kritik am gotischen Stil, dem Material und den als zu hoch empfundenen Türmen nicht irritieren – er erhöhte die Türme sogar nachträglich. Die Grundsteinlegung fand am 22. September 1853 statt, die Einweihung folgte am 13. November 1862.

Hessisches Staatstheater

Das Hessische Staatstheater in Wiesbaden ist heute nicht mehr vollständig im Originalzustand. Ein Brand und Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg haben das Aussehen des neobarocken Gebäudes nachhaltig verändert. Das damalige „Königliche Theater“ wurde im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. zwischen 1892 und 1894 erbaut.

Ein Bühnenbrand im März 1923 zerstörte die eindrucksvolle Eckkuppel. Aus Kostengründen konnte sie später nur in einer einfacheren Form wieder aufgebaut werden. Weitere Zerstörungen folgten im Zweiten Weltkrieg. Bei einem Bombenangriff im Februar 1945 wurden die reich verzierte Kassenhalle und der Säulenportikus an der Theaterkolonnade vernichtet.

Obwohl Teile des Theaters nach dem Krieg nur vereinfacht wiederhergestellt wurden, erstrahlt zumindest ein Bereich wieder im alten Glanz: Zwischen 1975 und 1978 wurde der Zuschauerraum des Großen Hauses originalgetreu rekonstruiert.