Wiesbadener Ortsbeiräte stimmen für Abschuss von Nilgänsen

Die Ortsbeiräte Wiesbaden-Mitte und -Nordost haben für die Tötung von Nilgänsen gestimmt. Grund ist der Kot der Tiere in Parks. Tierschützer kritisieren die Pläne scharf.

Wiesbadener Ortsbeiräte stimmen für Abschuss von Nilgänsen

Wegen der Hinterlassenschaften von Nilgänsen in den Parkanlagen haben die Wiesbadener Ortsbeiräte Mitte und Nordost mehrheitlich für eine Tötung der Tiere im Stadtgebiet gestimmt. Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert die Pläne als unverhältnismäßig und fordert tierfreundliche Alternativen.

Die beiden Ortsbeiräte fassten ihre Beschlüsse am 19. August und am 24. September. Laut Guido Haas (Grüne), Ortsvorsteher von Mitte, sei man mit über 150 Tieren im Stadtgebiet an einem Punkt, an dem es nicht mehr weitergehe. Sein Kollege John Hillebrandt (CDU) bezeichnete die Maßnahme als „alternativlos“. Der Vogelschutz-Beauftragte der Stadt, Oliver Weirich, erklärte in der Sitzung des Ortsbeirats Mitte jedoch, die Zahl der Tiere sei im Vergleich zu den Vorjahren um acht Prozent gesunken (wir berichteten).

Das vorgeschlagene Vorgehen wird als „letales Vergrämen“ bezeichnet. Dabei müsste eine ausgebildete Person mit Jagderlaubnis in regelmäßigen Abständen einige Nilgänse erlegen, um den anderen Tieren das Sicherheitsgefühl zu nehmen. Laut Weirich wäre dies eine Daueraufgabe, die vorwiegend nachts stattfinden sollte.

Tierschützer fordern Alternativen

Wie die Tierrechtsorganisation PETA mitteilt, hat sie am 2. Oktober in einem Schreiben an Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und die Fraktionen appelliert, die Nilgänse nicht töten zu lassen. Hinterlassener Kot sei kein „vernünftiger Grund“ für eine Tiertötung im Sinne des Tierschutzgesetzes. „Fühlende Lebewesen erschießen zu lassen, weil man sich durch ihre Hinterlassenschaften gestört fühlt, ist völlig unverhältnismäßig“, so PETA-Fachreferent Peter Höffken.

PETA verweist darauf, dass Tötungen keine dauerhafte Lösung seien, da frei werdende Flächen schnell von Jungtieren aus dem Umland besiedelt würden. Stattdessen schlägt die Organisation ein „Gänsemanagement“ vor. Die betroffenen Flächen könnten für die Vögel unattraktiv gestaltet werden, während man ihnen gleichzeitig Ausweichflächen anbietet. Zudem könne der Kot mit speziellen Kehrmaschinen mit Saugfunktion beseitigt werden, wie es die Stadt Heidelberg praktiziert.

Strengeres Fütterungsverbot und Aufklärung gefordert

In der Diskussion im Ortsbeirat kam auch die Frage auf, was mit den toten Tieren geschehen solle. Vogelschutz-Beauftragter Weirich wies darauf hin, dass in Hessen jährlich bereits einige Tausend Nilgänse geschossen und verzehrt würden. Er betonte jedoch, dass die Vorbehalte in Politik und Öffentlichkeit gegen ein gezieltes Töten stark seien.

Weirich forderte daher, die Aufklärung zu verstärken und ein bestehendes Fütterungsverbot konsequenter durchzusetzen. Eine von ihm durchgeführte Befragung von 100 Personen habe gezeigt, dass viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen füttern, aber oft für Argumente dagegen zugänglich seien.

Im Bußgeldkatalog der Stadt Wiesbaden wird die Fütterung von Fischen oder Wasservögeln, zu denen die Nilgänse zählen, mit 50 Euro geahndet.