Nilgänse und ihre Hinterlassenschaften sind in den Wiesbadener Parkanlagen seit Jahren ein Ärgernis. Ein Versuch der Stadt, die Population durch einen Zaun am Warmen Damm zu regulieren, ist nun offenbar gescheitert. Das urteilt der Wiesbadener Diplom-Biologe Oliver Weirich und begründet dies mit den Ergebnissen seiner aktuellen Fachpublikation.
Gänse waren der Stadt einen Schritt voraus
Wierich ist Beauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen für die Stadt Wiesbaden und führte 2024 ehrenamtlich ein Monitoring der Nilgänse durch. Wie der Biologe erklärt, hatte die Stadt in den Jahren 2024 und 2025 versucht, den Mauserplatz der Gänse mit einem Zaun am Teich des Warmen Damms zu verlagern. Während der Mauser sind die Vögel flugunfähig und auf den Schutz des Wassers angewiesen, weshalb sie sich in großen Gruppen von bis zu 162 Tieren sammeln.
Der Versuch der Verlagerung sei jedoch ins Leere gelaufen. Der Grund: Die Gänse hatten ihren Haupt-Mauserplatz bereits im Jahr 2023 unbemerkt von den Behörden in den Kurpark verlegt. Die Errichtung der Barriere am Warmen Damm sei deshalb nicht zielführend gewesen, so Weirich.
Zudem kritisiert der Experte die Ausführung des Zauns als lückenhaft und nicht robust genug. Die Anlage sei wiederholt sabotiert worden. Weirichs frühere Empfehlung, den Mauserplatz durch Zäune zu verlagern, sei damit überholt. Neuere Beobachtungen aus dem Jahr 2026 hätten gezeigt, dass sich die Nilgänse im Kurpark auch von Wasserpflanzen ernähren können und nicht zwingend auf Rasenflächen als Weide angewiesen sind.
Wie geht die Stadt gegen die Nilgänse vor?
In Wiesbaden wurden außer der Errichtung einer Barriere bereits weitere Maßnahmen zur Populationsbekämpfung ergriffen. Darunter das Wachsenlassen der Vegetation am Dietenmühlenweiher und das Aufstellen von Fütterungsverbotsschildern (wir berichteten). Einen Abschuss der Tiere plant die Stadt hingegen nicht (wir berichteten).
In den untersuchten Parkanlagen sei bereits ein leichter Rückgang festzustellen, teilte die Stadt Wiesbaden kürzlich gegenüber Merkurist mit. Außerdem gibt es weitere Teilerfolge im Management. So konnte am Dietenmühlenweiher die Zahl der Aufzuchtreviere von vier auf eins gesenkt werden, indem man die Ufervegetation höher wachsen ließ. Weirich fordert außerdem, das geltende Fütterungsverbot für Wasservögel konsequent durchzusetzen.
Parks als „Quellpopulation“ für das Umland
Die städtischen Parkanlagen sind laut Weirich sichere Rückzugsräume für die Tiere. Er bezeichnet die Wiesbadener Population als „Quellpopulation“, die das Umland mit Nachwuchs versorgt. Seinen Zählungen zufolge werden auf der untersuchten Strecke jedes Jahr etwa 50 junge Nilgänse flügge. Eine Auslagerung der Tiere aus den Parks wäre daher eine vielversprechende Maßnahme, um die weitere Ausbreitung einzudämmen.
Ein weiteres Problem sei das aggressive Verhalten der Nilgänse gegenüber heimischen Arten. Zwar gebe es keine Belege für eine bestandsgefährdende Schädigung, so Weirich. Es sei aber vielfach dokumentiert, dass Nilgänse Küken von Stockenten töten können. Ein Anteil am Rückgang der Stockente in Hessen könne daher nicht ausgeschlossen werden.