Die Wiesbadener sind gespalten: Eine Fachkommission empfiehlt, 20 Orte und Straßen in der Stadt umzubenennen, weil deren Namensgeber mit dem Nationalsozialismus (NS) in Verbindung standen (wir berichteten). In den sozialen Medien hat diese Nachricht für Diskussionen gesorgt – und innerhalb eines Tages allein auf Facebook Hunderte von Kommentaren generiert.
Aufregung um Opelbad
Einer der Orte, dessen mögliche Umbenennung die Wiesbadener am meisten beschäftigt: das Opelbad auf dem Neroberg. Benannt ist es nach Wilhelm von Opel, Sohn des Opel-Gründers Adam Opel. Der Unternehmer soll das NS-Regime aktiv und mit Überzeugung unterstützt haben. Ob das Schwimmbad deshalb tatsächlich umbenannt werden sollte, haben zahlreiche Mitglieder der Facebook-Gruppe „Lust auf Wiesbaden!“ diskutiert.
„Opelbad bleibt Opelbad!“, kommentiert jemand unter einem Beitrag in der Gruppe. „1. April?“, fragt ein anderer Nutzer. Unter einem anderen Beitrag zu dem Thema sind noch kritischere Kommentare zu finden: Die ganze Diskussion sei „affig“ oder „albern“, heißt es dort. „Genau so bekloppt wie das Zigeunerschnitzel.“
Nur wenige äußern sich klar für eine Namensänderung, schlagen sogar neue Namen vor: Bergbad, Terrassenbad, Balkonbad, Nerobad. Einige sind jedoch für andere Lösungen, um mit Wilhelm von Opels Nazi-Vergangenheit umzugehen: „Ich bin für Sichtbarmachung und nicht Löschung.“ Anstelle eines anderen Namens sollten lieber Infotafeln angebracht werden. Eine ähnliche Idee verfolgt auch ein anderer User: „Man sollte dann auf einer großen Tafel am Eingang des Bades darauf aufmerksam machen und 50 Cent des Eintrittspreises für einen Zweck einsammeln, der dem braunen Opel nicht gefallen würde.“
Straßendebatte polarisiert
Doch nicht nur das Opelbad könnte in Zukunft umbenannt werden. Insgesamt hat die Fachkommission, die von der Stadt Wiesbaden beauftragt wurde, 18 Personen herausgestellt, die enge Beziehungen zum Nationalsozialismus hatten. 20 Orte und Straßen in Wiesbaden sind nach ihnen benannt. Sollten diese jetzt alle umbenannt werden?
„Wird Zeit, dass solche Namen aus dem Stadtbild verschwinden“, schreibt ein Mitglied der Facebook-Gruppe „Wir sind Wiesbaden“. „Vielleicht in Zukunft nur noch neutrale Straßennamen vergeben, da kann man dann auch wirklich nichts verkehrt machen“, schlägt ein weiteres Gruppenmitglied vor. Einige halten es zwar für wichtig, sich gegen den Nationalsozialismus und Antisemitismus einzusetzen, finden aber, dass es in diesem Zusammenhang wichtigere Baustellen gibt als Straßennamen.
Wer sich alle Kommentare anschaut, sieht: Die Meinungen der Wiesbadener gehen weit auseinander, von absolutem Unverständnis bis vollster Zustimmung ist alles dabei. Ob die Stadt den Empfehlungen der Fachkommission tatsächlich folgt, wird sich aber erst zeigen. Beim Entscheidungsprozess wolle man die Anwohner und die Öffentlichkeit mit einbeziehen, heißt es von Seiten der Stadt.