Niedrigwasser im Rhein bei Wiesbaden: So verheerend sind die Folgen

Trockenheit und ausbleibender Regen sorgen derzeit für einen extrem niedrigen Wasserstand im Rhein. Die Folgen sind dramatisch.

Niedrigwasser im Rhein bei Wiesbaden: So verheerend sind die Folgen

Hohe Temperaturen, kein Regen und anhaltende Trockenheit lassen die Pegel in den Flüssen stetig sinken. Lag der Wasserstand des Rheins am Pegel Mainz am Ende der vergangenen Woche bei 1,63 Meter, beträgt er inzwischen 1,32 Meter (Stand: 27. Juli, 12:15 Uhr). Die Grenze zum Niedrigwasser liegt bei unter 2 Metern. Von „Mittelwasser“, also dem Normalbereich, spricht man bei 2,88 bis 3 Metern.

Und es könnte sein, dass er weiter sinkt. An den Altrheinarmen liegen die Boote und Bojen teilweise schon ganz auf dem Trockenen.

Auch die Abflüsse gehen laut der Bundesanstalt für Gewässerkunde stark zurück. Lagen sie am 23. Juli noch bei 714 Kubikmeter pro Sekunde (m³/s), sind es aktuell nur noch 554 m³/s.

Schiffe nur noch gering beladen

Die Wasserstraßen- und ‌Schifffahrtsverwaltung (WSV) schlägt bereits Alarm: So rechnet man damit, dass in Kaub, einer der Engstellen im Rhein, der Pegel von derzeit 35 Zentimeter auf 20 Zentimeter zum Ende der Woche fallen wird. Schon jetzt können Schiffe nicht mehr voll beladen fahren, die Fracht muss verteilt werden. Teilweise können sie nur noch mit 15 bis 20 Prozent Last beladen werden. Als Folge steigen die Transportkosten. Industrie- und Handelskammern warnen schon davor, dass die Wirtschaft erheblich leiden könnte.

Eine ähnliche Situation gab es schon einmal im August vor vier Jahren. Damals kam es zu Lieferengpässen und Produktionsproblemen. Damals lag der Rheinpegel in Mainz bei 1,44 Meter (wir berichteten).

Hohe Wassertemperatur gefährdet Lebewesen im Rhein

Hinzu kommt: Mit dem niedrigen Wasserstand steigt auch die Temperatur im Rhein. Laut dem Landesamt für Umwelt beträgt diese aktuell fast 25 Grad. Solche Temperaturen können, wenn sie länger anhalten, weitreichende Folgen für das Öko-System des Flusses haben, erklärte Jochen Fischer vom Landesamt bereits im vergangenen Jahr gegenüber Merkurist. „Besonders kritisch wird es dann, wenn gleichzeitig der Durchfluss gering ist, der Rhein also einen niedrigen Pegel aufweist.“ Denn fließt weniger Wasser, erwärmt es sich noch schneller. „Im schlimmsten Fall kann es dann zu einem Fischsterben kommen“, so Fischer.

Je höher die Temperaturen werden, desto mehr sinkt auch der Sauerstoffgehalt, was auch weitere Organismen im Rhein gefährdet. Da diese Lebewesen einen großen Anteil zur Reinigung von Flüssen tragen, sinkt somit zudem die Wasserqualität.

Je nach Temperatur müssen dann auch Industrieunternehmen Maßnahmen ergreifen, etwa die Wassertemperatur vor und nach der Einleitung von Kühlwasser aus dem Rhein messen und prüfen, ob statt dem Rheinwasser alternative Methoden zur Kühlung genutzt werden können.