Der ehemalige Wiesbadener Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) ist am Donnerstagabend (9. Oktober) in der AWO-Affäre vor dem Landgericht in Wiesbaden zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Damit ist der Veruntreuungsprozess deutlich schneller als gedacht zu Ende gegangen. Ursprünglich angesetzt waren sechs Verhandlungstage.
Wie die Hessenschau mitteilt, wurde Manjura wegen Beihilfe zur Untreue zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt. Insgesamt sind das also 1800 Euro. Der SPD-Politiker hatte zu Beginn des Prozesses gestanden, Gehälter vom Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bezogen zu haben, obwohl er kaum für sie gearbeitet hatte. Grundlage für die Höhe der Tagessätze war sein aktuell niedriges Haushaltseinkommen. Vorbestraft ist er damit außerdem nicht.
Rückzahlung an die AWO
Er bereue das, zitiert ihn die Hessenschau. Er habe einen Job gesucht, der ihm ermöglichte, seine politische Karriere zu verfolgen und darauf gesetzt, dass die AWO keine große Arbeitsleistung einfordern werde. Er reichte dem Gericht einen Überweisungsbeleg ein, der eine Rückzahlung an die AWO in Höhe von 25.000 Euro zeigten. Die restliche Summe würde noch eingezogen. Zuvor hatte Manjura die Vorwürfe noch bestritten (wir berichteten).
Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte ihm vorgeworfen, für zwei Scheinarbeitsverhältnisse fast 60.000 Euro netto kassiert zu haben. Noch vor Beginn des Prozesses hatten sich beide Seiten wohl auf eine mildere Strafe geeinigt, sobald Manjura ein umfassendes Geständnis ablege, so die Hessenschau weiter.
„Extrem tiefer Fall“
Außerdem, so der Richter, habe Manjura seitdem einen „extrem tiefen Fall“ erlebt, Gesicht und Job und damit eine Karriere in der Politik verloren. In den drei Jahren, die bis zum Prozessstart vergangen waren, sei es ihm zudem unmöglich gewesen, eine neue Arbeitsstelle zu bekommen. Hätte der ehemalige Stadtrat kein vollumfängliches Geständnis abgelegt, hätte die Generalstaatsanwaltschaft wohl eine Bewährungsstrafe von einem Jahr gefordert (wir berichteten).
Vorgeworfen wurde Manjura, vor seiner Zeit als Sozialdezernent in den Jahren 2015 bis 2017 als Referent der AWO-Geschäftsführerin angestellt gewesen sein, aber nicht die vertraglich vereinbarten 30 Wochenstunden gearbeitet haben. Zudem soll er über Jahre Geld für einen Minijob in einem Pflegeheim bekommen haben, ohne tatsächlich dort gearbeitet zu haben.