Zeichen gegen Leerstand: „Polly“ öffnet in Mainzer Altstadt

In der Mainzer Leichhofstraße hat kurzfristig ein Ausstellungsraum eröffnet. Studierende der Kunsthochschule wollen mit „Polly“ dem Leerstand in der Innenstadt entgegenwirken.

Zeichen gegen Leerstand: „Polly“ öffnet in Mainzer Altstadt

In der Leichhofstraße 6 hat ein neues Projekt namens „Polly“ eröffnet. Studierende der Kunsthochschule nutzen dafür einen leerstehenden Laden in der Mainzer Altstadt. Einmal die Woche ist die Ausstellung begehbar, die auch Teil des PART Gallery Walks am Donnerstag (26. Februar) sein wird.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen Studierenden der Kunsthochschule Mainz und dem Förderverein der Hochschule, erklärt eine der Ausstellerinnen gegenüber Merkurist. Ziel sei es, temporär leerstehende Räume in der Stadt kulturell zu nutzen und in Ausstellungsräume zu verwandeln. Die erste Ausstellung hat bereits eröffnet und ist jeden Dienstag von 16 bis 20 Uhr zugänglich.

Spontane Idee, schnelle Umsetzung

Die Idee entstand zufällig, wie Ausstellerin Jil Bertels erzählt. Der Besitzer des Ladenlokals stelle den Raum zur Verfügung, während er auf eine Baugenehmigung wartet. „Es ging Schlag auf Schlag“, berichtet Bertels. Die Zusammenarbeit sei „super spontan“ gewesen. Das Engagement der Studierenden ist rein ehrenamtlich. „Niemand verdient hier mit Geld“, betont die 29-Jährige.

Vielmehr sehen die gemeinsamen Kuratorinnen und Kuratoren Sina Ebert, Jil Bertels, Joël Müller, Lilith Nikolai, Jan Aziz und Michelle Raitses den Raum als seltene Chance. „Wir als junge Künstler haben sonst nicht viele Möglichkeiten“, sagt Bertels. Es gebe wenig Räume für ihre Kunst. Umso kritischer nimmt sie Leerstand in Mainz wahr: „Ich sehe die Lücken und leeren Gebäude und denk mir: wie ärgerlich. Ich könnte hier in zwei Tagen eine Ausstellung reinbauen. Warum wird es nicht genutzt?“

Leerstand überwinden

Offiziell liegt laut Oberbürgermeister Nino Haase die Leerstandsquote in der Stadt mit rund sechs Prozent stabil unter dem bundesweiten Schnitt. Dennoch gibt es an mehreren Stellen, insbesondere in der Neustadt und im Bleichenviertel, Gebäude, die bereits seit mehreren Jahren leer stehen. Die dadurch heruntergekommenen Häuser und verdreckten Straßenfronten fallen besonders auf. Die Stadt nutzt die Plattform „LeAn“, auf der Leerstand gemeldet und Objekte angeboten werden können. Allerdings gilt sie nur für den Postleitzahlenbereich 55116 und bleibt ohne bindende Konsequenz für die Eigentümer.

Häufig hätten Inhaber von leerstehenden Gebäuden Bedenken, ihre Räume anzubieten, sagt Bertels. Dabei seien die Hürden für Zwischennutzungen sehr niedrig. Statt den ehemaligen Laden in der Leichhofstraße komplett umzubauen, habe das Team die vorhandene Struktur genutzt und die Regale und Fächer in das Konzept integriert. „Nur drei Löcher für den Vorhang haben wir gebraucht. Was für den Inhaber nicht geht und nicht abgesprochen ist, machen wir nicht“, so die 29-Jährige. Sie hofft, dass sich weitere Eigentümer melden, die Übergangsphasen in ihren Räumen sinnvoll nutzen möchten.

Die aktuelle Ausstellung

Mit dem Projekt „Polly“ wollen die Studierenden nicht nur dem Leerstand entgegenwirken, sondern auch Kunst einem breiten Publikum näherbringen. Man wolle „aus der Bubble raus“, sagt Joël Müller, einer der beteiligten Künstler. „Die Kunst ist nicht nur für die da, die es verkaufen, ausstellen oder auf Messen präsentieren, sondern für alle.“ Der Ort sei ideal, da er zentral in der Mainzer Altstadt liegt und sich hier Menschen im Alltag begegnen. „Ich hab noch nie so zentral aussgestellt“, ergänzt Bertels.

Ausgestellt sind zeitgenössische Werke der Studierenden, darunter Malereien und Skulpturen. Laut Jil Bertels sollen sie zum Nachdenken und Reflektieren anregen. „Uns ist vor allem wichtig, mit den Leuten über die Kunst ins Gespräch zu kommen“, so Bertels. Der Laden wird dynamisch genutzt: Bereits am 6. März soll eine neue Ausstellung eröffnen.

Die Zukunft des Projekts in der Leichhofstraße ist noch offen. Ursprünglich bis zum 15. März geplant, könnte es bis Ende des Monats verlängert werden. Doch auch danach soll „Polly“ weiterbestehen. Die Gruppe ist bereits auf der Suche nach weiteren leerstehenden Räumen in Mainz, um die Idee fortzusetzen. Sie hoffen auf eine langfristige Kooperation für Zwischennutzungen.