Hitze in Mainz – Wie die Stadt sich anpassen will

Mehr Bäume, weniger Asphalt und neue Bewässerungskonzepte: Mainz will sich besser auf heiße Sommer vorbereiten. Einige Projekte laufen bereits, andere sind in Planung.

Hitze in Mainz – Wie die Stadt sich anpassen will

Hitzewellen werden Mainz auch in Zukunft häufiger treffen. Die Stadt arbeitet deshalb an verschiedenen Maßnahmen, um sich den Veränderungen anzupassen. Viele Projekte befinden sich allerdings noch in Planung. Auf Anfrage von Merkurist teilte Franziska Schuster von der Pressestelle der Stadt Mainz mit, welche Maßnahmen die Stadt für den Hitzeschutz vorsieht. Im letzten Jahr wurde demnach die „Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ vom Stadtrat beschlossen. Diese werde nun schrittweise umgesetzt. GeografischesReferenzmaterial

Entsiegelungswettbewerb „abpflastern“

Ein wichtiger Baustein beim Hitzeschutz sei die Entsiegelung von Flächen, so die Pressestelle. Mainz beteilige sich aktuell am bundesweiten Entsiegelungswettbewerb „abpflastern“ und plane mehrere Projekte in der Alt- und Neustadt. Aktuell werde die Vergabe der Bauleistungen vorbereitet. Im September 2026 solle, voraussichtlich am Balthasar-Maler-Platz, mit den Arbeiten begonnen werden. Stadtführer

Zusammen mit dem Naturschutzbund (NABU) wurde bereits ein kleineres Projekt in Ebersheim umgesetzt, bei dem auf einem Spielplatz 30 Quadratmeter entsiegelt wurden. Auch Privatpersonen und Initiativen können beim Wettbewerb mitwirken. Am letzten Samstag fand beispielsweise eine von MainzZero und der Nachhaltigkeitsinitiative Bretzenheim organisierter Workshop zur Flächengestaltung auf dem Parkplatz des Fitnessstudios „Green Fit“ statt. Auch hier wurde eine Fläche entsiegelt.

Mehr Bäume gegen Hitze

Außer der Entsiegelung von Flächen sei auch deren Bepflanzung mit widerstandsfähigen Pflanzen notwendig, teilt Franziska Schuster von der Pressestelle weiter mit. Durch Verdunstung kühlten sie die Umgebung ab und spenden Schatten. So könne Hitze abgemildert werden.

Zum Beispiel sei im Mai am Fichteplatz eine 500 Quadratmeter große Fläche neugestaltet worden. Ein weiteres Projekt ist das Rheinufer zwischen Kaisertor und Zollhafen. Dort sei vorgesehen, rund 100 neue Bäume zu pflanzen. Auch drei große Pergolen (offene Überdachungen) sollen dort Schatten spenden.

Anpassungen des Bewässerungsmanagements

Auch das Bewässerungsmanagement soll verändert werden. Derzeit entstehe am Rhein eine Wasserentnahmestelle, über die Rheinwasser zur Bewässerung von Stadtbäumen genutzt werden soll. Somit könne der Verbrauch von Trinkwasser reduziert werden.

Zudem würden nach und nach Bodensensoren installiert, die die Feuchtigkeit im Wurzelbereich der Bäume messen. Die Daten würden helfen, standortgerechte Bewässerungsstrategien zu entwickeln.

Vier Trinkbrunnen und weitere Maßnahmen

Für die Bevölkerung seien innerhalb der letzten Jahre vier Trinkbrunnen aufgestellt worden. Aktuell sei außerdem die Erarbeitung eines „Schutz- und Vorsorgekonzeptes zu Wetterextremen für vulnerable Gruppen“ geplant.

Bei länger anhaltenden Hitzewellen könne es sinnvoll werden, Tagesabläufe anzupassen. „Flexible Arbeitszeiten sowie angepasste Öffnungszeiten, etwa von Apotheken, Arztpraxen und Kitas, können dazu beitragen, gesundheitliche Belastungen zu reduzieren“, so Schuster. Wichtig sei dabei, „alltagstaugliche Lösungen“ zu finden.

In den nächsten Jahren sei die Entwicklung unterschiedlichster Konzepte geplant: angefangen beim Grundwassermanagement über Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte bis hin zu einer Checkliste zur klimaangepassten Umgestaltung von Straßen und Hitzeschutzmaßnahmen für öffentliche Gebäude.

Experte sieht weiteren Handlungsbedarf

Benjamin Kraff, Experte für Klimaschutz und Klimaanpassung, bewertete die bisherigen Maßnahmen vor kurzem gegenüber Merkurist als wichtige Schritte (wir berichteten). Sie seien aber nicht ausreichend, um Mainz klimaangepasst aufzustellen. Die Anpassung an den Klimawandel müsse noch konsequenter mitbedacht werden.