Mainz gehört laut einer aktuellen Studie der Deutschen Umwelthilfe zu den am stärksten von Hitze betroffenen Städten in Deutschland.
Das habe unterschiedliche Gründe, erklärt Benjamin Kraff, Experte für Klimaschutz und Klimaanpassung gegenüber Merkurist. In Mainz zeige sich, dass viele zentrale Bereiche wie der Gutenbergplatz stark versiegelt sind, also mit Asphalt, Beton oder Pflaster bedeckt und kaum Schatten bieten. Versiegelte Flächen heizen sich im Sommer besonders stark auf und verhindern, dass Regenwasser versickert, so Kraff. Hinzu komme die geographische Lage am nördlichen Rand des Oberrheingrabens, einer der wärmsten Regionen Deutschlands.
Wie steht es aktuell um den Hitzeschutz in Mainz?
„Wir sind hier in Deutschland eine besonders durch Hitze geplagte Stadt. Besonders belastet sind die dicht bebauten und stark versiegelten Stadtteile wie die Altstadt und Neustadt“, erklärt Kraff. In letzter Zeit zeigten zwar sich Veränderungen im Hitzeschutz: zum Beispiel beim Umbau von Straßen wie der Langgasse und bei der Entwicklung des Rheinufers im Zollhafen.
„Das sind wichtige Schritte, aber eher kleinere Verbesserungen“, so Kraff weiter. „Um Mainz wirklich klimaangepasst aufzustellen, reichen diese nicht aus.“ Denn auch im Zollhafen sei bei der Stadtentwicklung der Hitzeschutz noch nicht konsequent mitgedacht worden. Das zeige sich unter anderem daran, dass es nur wenige entsiegelte Flächen und eher einzelne Grünflächen gebe. Größere zusammenhängende Grünflächen hätten hier stärker berücksichtigt werden sollen. Wie stark Bäume die Umgebung abkühlen können, zeige sich etwa in der Hindenburgstraße. Dort sei die Temperatur deutlich geringer als in weniger begrünten Straßenzügen.
Durch den Klimawandel werden Hitzewellen und Tropennächte in ihrer Häufigkeit und Intensität weiter zunehmen, warnt Kraff. Das habe schon heute negative Folgen für die Gesundheit.
Tropennächte – ein unterschätztes Problem
Doktor Katharina Truschinski ist Fachärztin für Anästhesiologie und Notärztin an der Universitätsmedizin Mainz und engagiert sich bei den Scientists for Future Mainz-Wiesbaden. Aktuell sieht sie sich wieder unmittelbar mit den gesundheitlichen Folgen von Hitze konfrontiert. „Hitzewellen sind eine akute Gesundheitsbedrohung mit deutlicher Zunahme von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Diese sind für einen Großteil der Hitzetoten verantwortlich“, berichtet sie im Gespräch mit Merkurist.
Außer Hitzeinseln, also Orten, die sich an heißen Tagen extrem aufheizen, stellen auch Tropennächte eine Gefahr dar, so Truschinski. Denn wenn die Temperatur nachts nicht unter 20 Grad abfalle (wie aktuell in Mainz der Fall), fehle dem Herz-Kreislauf-System die Möglichkeit sich zu erholen, erklärt die Ärztin. Dadurch nehme das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme zu. In Städten komme es in Kombination mit Feinstaub aus dem Autoverkehr zu einer gesteigerten Belastung, die die Hitzeeffekte auf das Herz-Kreislauf-System noch weiter verstärke. Um die Mainzer in Zukunft bei vermehrten Hitzewellen schützen zu können, sei eine Reduktion der klimaschädlichen Gase zwingend erforderlich. Anpassungsmaßnahmen in den unterschiedlichsten Bereichen der Stadtplanung seien dafür unvermeidbar.
Diese Maßnahmen könnten kurzfristig helfen
Kraff sieht mehrere Möglichkeiten, den Hitzeschutz in Mainz kurzfristig zu verbessern. Dazu gehören „zusätzliche mobile Trinkwasserangebote, klar ausgewiesene kühle Aufenthaltsräume und Hilfsangebote an besonders heißen Orten wie der Fußgängerzone in der Altstadt, damit gefährdete Personen frühzeitig unterstützt werden können“. Zudem könnten an stark aufgeheizten Plätzen zeitweise Sonnensegel für mehr Schatten sorgen. Sinnvoll sei auch die Entwicklung eines Hitzeaktionsplans. „Dieser klärt Zuständigkeiten, verbessert Warn- und Informationsketten, schützt gezielt besonders gefährdete Gruppen und ermöglicht die Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen“, so Kraff.
Was müsste langfristig passieren?
„Langfristig muss Mainz klimaangepasst weiterentwickelt werden“, sagt Kraff. Dazu gehörten deutlich mehr Grünflächen in neuen und bestehenden Stadtvierteln. Orientieren solle man sich auch am Schwammstadtprinzip. Dabei wird Regenwasser vor Ort aufgenommen, gespeichert und in Hitzeperioden über Böden, Pflanzen und Verdunstung wieder abgegeben. Damit trage diese Methode zur Kühlung bei.
Dazu könnten auch die Mainzer Bürger selbst ihren Beitrag leisten, indem sie Flächen in ihrer Umgebung bepflanzen. Sinnvoll sei hier auch eine verbindliche Vorgabe für Grünflächen auf privaten Grundstücken. Im öffentlichen Raum sollten bestehende versiegelte Flächen gezielt entsiegelt und bepflanzt werden, um Hitzeinseln zu reduzieren.