Braucht Mainz eine neue Fahrradbrücke über den Rhein?

Der Radschnellweg zwischen Mainz und Wiesbaden ist schon länger in Planung, nun kommt die Idee einer neuen Rad- und Fußgängerbrücke auf, die von der Mainzer Innenstadt aus über den Rhein führt. Was sagt die Stadt Mainz zu dieser Vision?

Braucht Mainz eine neue Fahrradbrücke über den Rhein?

„Mainz braucht eine Brücke über den Rhein für die Zukunft“ – mit diesem Snip hat Merkurist-Leser Andreas eine rege Diskussion entfacht. Die Meinungen reichen von „Wozu braucht‘s noch eine?“ bis zu dem Argument, dass die bestehenden Brücken einige Hindernisse für Radfahrer haben: „Eng, Treppen, im Winter schlecht geräumt und teils ohne korrekte Anbindung an weitere Wege“, schreibt etwa ein Leser.

Andreas’ Visualisierung, die sich an der Fuß- und Radbrücke Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam orientiert, sieht spektakulär aus: Über ein futuristisch anmutendes Bauwerk in der Nähe der Theodor-Heuss-Brücke bewegen sich Hunderte Radfahrer auf die andere Rheinseite in Richtung Mainz-Kastel.

Die Idee von Andreas von einem separaten Fahrradübergang ist nicht neu. Vor einigen Jahren entwickelten ein Architekt und ein Journalist die Idee eines „Velodukts“ über das Zahlbachtal. 700 Meter lang und 25 Meter hoch sollte die Brücke werden, so die Vorstellung der beiden Visionäre.

Damit sollte sie Teil des Radschnellwegs werden, mit der sich Umwege und Steigungen vermeiden lasse. Damals hatten tatsächlich das Bau- und Kulturdezernat sowie das Grün- und Verkehrsdezernat der Stadt geprüft, ob ein solches Bauwerk aus Verwaltungssicht überhaupt machbar wäre:

„Prinzipiell ein guter Gedankengang“

Auch zu der Idee der Fahrradbrücke über den Rhein hat sich die Stadtverwaltung nun geäußert. Auf Merkurist-Anfrage hin heißt es von Seiten der Pressestelle: „Eine Radbrücke, welche beide Landeshauptstädte in zentraler Lage unweit der Theodor-Heuss-Brücke miteinander verbindet, ist prinzipiell ein guter Gedankengang.“

Unbekannt sei die Idee aber nicht. Als die Machbarkeitsstudie zum geplanten Schnellradweg Mainz/Wiesbaden erstellt wurde, seien dort bereits „verschiedene Potentiale“ aufgeführt worden. Der nächste Schritt bestehe nun darin, einen geeigneten Standort für einen solchen Übergang zu finden. Das müsse gemeinsam mit der Stadt Wiesbaden angegangen werden.

Von Mainzer Seite aus gebe es bei der Planung einer solchen Brücke jedoch eine Reihe von Aspekten zu beachten, darunter die Denkmal- und Stadtbildpflege sowie die Beschaffenheit des Rheinufers. Denn mit dem zweiten Bauabschnitt sollen hier Teile großflächig entsiegelt werden.

Wegweisend für die künftige Radinfrastruktur?

„Die Vision einer Brücke, nicht nur für den Rad- sondern auch den Fußverkehr über den Rhein unterstütze ich ausdrücklich“, so Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne). Sie könne sich gut vorstellen, dass „ein modernes Brückenwerk ein herausragendes architektonisches Bauwerk sein kann, das wegweisend für die zukünftige Radinfrastruktur ist“.

Steinkrüger verweist dabei auch auf die Kaiserbrücke. Hier soll bald die Kaiserspindel neu gestaltet und so ein barrierefreier Übergang nach Wiesbaden für Fahrradfahrer und Fußgänger geschaffen werden. Dazu hatte die Stadt im Frühjahr vergangenen Jahres mitgeteilt, dass um den Jahreswechsel 2025/2026 per Ausschreibung nach einer passenden Baufirma gesucht werden solle.

Mit den ersten Vorbereitungen zum Bau der Kaiserspindel könne man in der ersten Jahreshälfte 2026 rechnen, hieß es damals. Die Bauzeit inklusive der Anschlussarbeiten dauere dann etwa 15 Monate (wir berichteten).