Nachdem ein 36-jähriger Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress totgeprügelt wurde, fordert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Rheinland-Pfalz jetzt verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. Bei einem Pressegespräch in Mainz stellte die Gewerkschaft nun ihre Forderungen vor, um das Zugpersonal künftig besser zu schützen.
3000 Vorfälle pro Jahr
Wie die Gewerkschaft erklärte, sei die Gewalt gegenüber Zugpersonal seit längerer Zeit bekannt. Aus einer Sicherheitsumfrage aus dem Jahr 2024 gehe hervor, dass die körperlichen Übergriffe auf das Zugpersonal seit vielen Jahren konstant ansteigen, zuletzt auf über 3000 pro Jahr. Lars Kreer, Geschäftsstellenleiter der EVG Rheinland-Pfalz in Mainz, betont, dass dies letzten Endes Schätzungen seien, da es eine hohe Dunkelziffer gäbe. Eine landesweite Datenbank für verbale und physische Übergriffe könnte ein genaueres Bild liefern.
Michaela Kettner und Konstanze Alber, Fahrgastbetreuerinnen bei DB Rhein-Neckar, haben solche körperlichen und verbalen Übergriffe in ihrem Arbeitsalltag erlebt. So erzählt Alber im Pressegespräch, dass sie unter anderem schon von Fahrgästen angespuckt, mit einem Messer bedroht und in eine Prügelei verwickelt worden sei. „Sicher ist man zu keiner Zeit auf keiner Strecke“, fasst ihre Kollegin Kettner zusammen. Nach dem Bekanntwerden des Angriffs auf Serkan C. sei sie mit einem unguten Gefühl auf die Arbeit gegangen.
„Alles was hilft, fordern wir“
Die EVG, mobifair e. V. und der EVG- Betriebsgruppenvorstand fordern nun, dass Züge rund um die Uhr doppelt besetzt werden sollen. In Zügen mit zwei Zugteilen sollen demnach vier Zugbegleiter eingesetzt werden. Auf Zugstrecken, die mit einer erhöhten Sicherheitslage einhergehen, soll zusätzliches Personal unterstützen.
Außerdem verlangt die EVG, dass die Forderungen verbindlich im Landesnahverkehrsplan (LNVP) verankert werden. Bisher seien Finanzierung, Ausbildung von Zugpersonal und das Sicherheitskonzept nicht einheitlich geregelt. Ebenso gebe es im LNVP keinen konkret festgelegten Mindestumfang an zusätzlichem Sicherheitspersonal. Das geht aus der zusammengefassten Stellungnahme der EVG Rheinland-Pfalz hervor. Gefordert wird hierin auch, dass faire Ticketregelungen zur Vermeidung von Konflikten in den LNVP mit aufgenommen werden. „Alles, was hilft, fordern wir“, fasst Lars Kreer von der EVG zusammen.
Seit 2024 sei es für Beschäftigte mit Kundenkontakt möglich, während ihrer Arbeit Bodycams zu tragen, so Kreer. Allerdings zeichnen die Bodycams, die bislang im Einsatz sind, lediglich Bilder, keinen Ton auf. Diese Option soll deshalb auf Bodycams mit Tonaufnahme umgestellt werden. Die Verbände fordern, dass die Finanzierung der flächendeckenden Umstellung durch die Aufgabenträger, hier das Land Rheinland-Pfalz, übernommen wird. „Bodycams sind die einzig präventive Maßnahme“, betont Christian Böttcher, EVG- Betriebsgruppenvorstand.
Außer Bodycams sorgten bislang Behauptungs- und Verteidigungsseminare und der sogenannte SOS-Knopf, mit dem Zugbegleiter in Konfliktsituationen Hilfe rufen können, für Abhilfe. Kreer hofft nun, dass der Vorfall politisch aufgearbeitet wird. „Jeder muss seine Arbeit sicher ausüben können.“
Der Tod des Zugbegleiters Serkan C. sorgte bundesweit für Aufruhr. Auch mehrere internationale Medien berichteten. Letzten Mittwoch (5. Februar) fand eine bundesweite Schweigeminute an Bahnhöfen statt, auch in Mainz.