Seit 1976 ist Andreas Schmitt, bekannt als „Obermessdiener“, in der Fastnacht aktiv. 2014 wurde er als Sitzungspräsident der Fernsehsendung „Mainz bleibt Mainz“ bundesweit bekannt. Im vergangenen Jahr zwang ihn eine Krankheit zu einer Pause. Jetzt ist Schmitt zurück – und spricht im Interview mit Merkurist unter anderem über seine Leidenschaft für die Fastnacht sowie seinen Blick auf die politische Entwicklung im Bundesland.
Merkurist: Herr Schmitt, Sie sind seit 1976 in der Fastnacht aktiv. Wie hat Ihre Begeisterung dafür begonnen?
Andreas Schmitt: Ich bin seit 1976 Mitglied beim Nieder-Olmer-Carneval-Club (NOCC 1903 e.V.). 1983 wurde ich dann bei dem Carnevals-Verein Eiskalte Brüder 1983 e.V. aktiv, bis ich den Verein letztes Jahr aufgrund von Differenzen verlassen habe. 2000 kam dann noch mein Engagement beim Mainzer Carneval-Verein 1838 e.V (MCV 1838 e.V.) hinzu. Seit 2014 bin ich auch Sitzungspräsident bei „Mainz bleibt Mainz“. Ich glaube an die darwinistische Evolutionstheorie: Mein Urgroßvater war der Mitbegründer des Nieder-Olmer-Carneval-Clubs und erster Redner aus Rheinhessen, der beim MCV im Jahre 1899 einen Vortrag halten durfte und zwar in der alten legendären Stadthalle (heute Rheingoldhalle). Die Begeisterung für Fastnacht wurde mir quasi in die Wiege gelegt.
Gibt es einen Moment, der Ihnen von ihren Auftritten bei „Mainz bleibt Mainz“ besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja und zwar war das im Jahr 2015, als Jürgen Dietz, ebenfalls Fastnachtsbüttenredner, bekannt für seine Figur „Der Bote vom Bundestag“, eine Woche vor der Sendung verstorben ist. Ihm zu Ehren hielt ich damals den Nachruf „Lachen und Weinen im Säckel“. Das ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Wenn wir gerade schon über „Mainz bleibt Mainz“ reden: Welche Themen werden denn dieses Jahr in der Bütt in den Fokus genommen?
Ich denke, dass Themen wie die Lage rund um Russland, Trumps Machtspiel und die Bundes- sowie Landespolitik in den Fokus genommen werden. Trotzdem bleibt das Skript flexibel: Ich sammele das ganze Jahr über Ideen. Das Grundskript steht „zwischen den Jahren“, aber bis Mitte Februar kann sich – je nachdem, was gerade aktuell ist – noch einiges ändern.
Sie sind nach eigenen Angaben bekennender Katholik und arbeiten auch für das Bistum Mainz in der EDV-Abteilung. In der Vergangenheit haben sie in Ihren Büttenreden häufiger die katholische Kirche kritisiert. Fällt Ihnen das eher schwer?
Ich bin bekennender Christ. Mir fällt es aber nicht schwer, die katholische Kirche zu kritisieren. Auch dort muss noch „ordentlich aufgeräumt“ werden. Wenn ich in meinen Büttenreden Kritik an der katholischen Kirche geäußert habe, erhielt Karl Kardinal Lehmann zu Lebzeiten vorab eine Vorlage – und hat das stets akzeptiert.
Im letzten Jahr, in dem „Mainz bleibt Mainz“ sein siebzigjähriges Jubiläum hatte, konnten Sie krankheitsbedingt nicht auftreten. Wie hat sich das für Sie angefühlt?
Das ist vergleichbar mit einem Fußballspieler, der sich verletzt und dann einige Zeit nicht spielen kann. Zum Glück war es nur eine kleine Pause. Es stand von Anfang an fest, dass ich nach meiner Genesung wieder auftreten werde. Seit September bin ich wieder im Dienst. 2028 werde ich allerdings das letzte Mal die Moderation der Fernsehfastnacht übernehmen. Dann bin ich fast 67 Jahre alt, und auch ich akzeptiere meine Lebensuhr.
Wir haben in den letzten Jahren beobachtet, dass weniger Prominente aus der Bundespolitik bei „Mainz bleibt Mainz“ vor Ort sind. Können Sie sich vorstellen, wieso das so ist?
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ich glaube, das hängt stark mit den Wahlzyklen zusammen. Immer dann, wenn Bundeswahlen anstehen, ist das Interesse der Bundespolitiker an solchen Terminen größer – auch weil sie Präsenz zeigen wollen. In Jahren ohne Wahlkampf ist das oft weniger ausgeprägt, dann sieht man entsprechend weniger prominente Gäste.
Wenn wir gerade bei Bundespolitik sind und mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen: Wie sehen Sie das Erstarken der AfD?
Für mich ist das eine sehr besorgniserregende Entwicklung. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Geschichte nicht wiederholen darf. Umfragen zeigen, dass rund 20 Prozent der Befragten bei der kommenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz die AfD wählen würden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass etwa 80 Prozent sich für andere Parteien entscheiden. Die demokratischen Kräfte sollten deshalb zusammenstehen. Und auch ich werde in der Mainzer Fastnacht meinen Beitrag leisten und dagegenhalten. Man darf nicht vergessen: Die Mainzer Fastnacht war schon immer hochpolitisch und urdemokratisch – gewissermaßen die linksrheinische Wiege der Demokratie.
Im letzten Jahr wurde bekannt, dass sie als Kandidat für das Amt des Verbandsgemeindebürgermeisters in Nieder-Olm im März zur Wahl stehen. Haben Sie sich schon darüber Gedanken gemacht, wie es mit Ihnen und der Mainzer Fastnacht weitergehen soll, falls sie die Wahl gewinnen sollten?
Ich bin der Meinung, dass jeder Bürgermeister auch ein Hobby hat und bei mir ist es die Fastnacht. Das lässt sich gut vereinbaren. Als Beispiel nehme ich hier mal Hannsgeorg Schönig (CDU), der unter anderem über 30 Jahre lang Mitglied des Mainzer Stadtrats war und auch Präsident des Mainzer Carneval-Vereins ist. Auch der Innenminister Michael Ebling (SPD) ist bei den Mombacher Bohnebeitel aktiv.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schmitt!