Deutsches Vollkornbrot, Weinmärkte, Fastnacht, Marktfrühstück, das Stammlokal, Freunde und Familie – die Liste an Dingen, die Markus und Yasmine aus Mainz und Gonsenheim vermissen, ist lang.
Lagerfeuer am Stand, ein Vulkan im Morgenlicht und Maya-Ruinen scheinen dies jedoch aufzuwiegen. Im April vergangenen Jahres ist das Mainzer Paar aufgebrochen, um die Panamericana, eine Verbindung von Schnellstraßen zwischen Alaska und Feuerland an der Spitze Südamerikas, zu bereisen (Merkurist berichtete). Die USA, Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica liegen bereits hinter ihnen. Mittlerweile sind die beiden in Panama angekommen. Bisher laufe alles nach Plan, nur bei den Distanzen hätten sie sich verschätzt, sagen Markus und Yasmine. „Wir sind davon ausgegangen, dass die gesamte Route etwa 60.000 bis 70.000 Kilometer umfasst. Jetzt sind wir, ohne Südamerika überhaupt mit einzurechnen, bereits bei rund 63.000 Kilometern.“
Privatsphäre kommt zu kurz
Die gestiegene Kilometerzahl würde sich an den Ausgaben bemerkbar machen. Auch auf Grund der weltweiten Inflation wegen des Krieges in Vorderasien lägen die Reisekosten über ihrer Kalkulation. „Wir versuchen deshalb, bewusst sparsam zu reisen, ohne dass die Reise nur unter einem reinen Spargedanken steht. Es soll weiterhin genießbar bleiben und nicht in Verzicht ausarten“, so das Paar.
Dazu gehöre auch mal eine Nacht im Hotel. „Das tut vor allem für die kleinen Dinge gut: ein richtig großes Bett, lange und warme Duschen und einfach wieder etwas mehr Raum um sich herum.“ Denn das Thema Privatsphäre komme auf dem engen Raum ohne Rückzugsort zu kurz, sei der größte Gewöhnungsfaktor gewesen. „Jeder versucht sich zwischendurch seinen eigenen Raum oder kleine Auszeiten zu schaffen, und insgesamt funktioniert das Zusammenleben auf dem begrenzten Platz überraschend gut“, so das Paar.
Kleine Dinge neu schätzen lernen
Das Fehlen des „Alltäglichen“ – begrenztes Warmwasser, keine festen Routinen, die Ungewissheit, wo man die kommende Nacht verbringen werde – sei mittlerweile zur Gewohnheit geworden. Warmwasser, eine Spülmaschine, stabiles Internet oder den Luxus einer großen Auswahl im Supermarkt hätten sie durch den begrenzten Zugang viel mehr schätzen gelernt.
„Das sind alles Kleinigkeiten, die im Alltag selbstverständlich wirken, unterwegs aber schnell wieder an Wert gewinnen.“ Am schwersten sei jedoch weiterhin der Abstand zu Familie und Freunde, insbesondere Yasmine habe phasenweise starkes Heimweh geplagt. „Mit Familie und Freunden zu telefonieren, aber nicht wirklich gemeinsam Zeit verbringen zu können, ist oft emotional nicht einfach. Auch bei besonderen Ereignissen nicht dabei zu sein oder die Liebsten nicht einfach in den Arm nehmen zu können, fehlt uns sehr“, sagt das Paar. Die jeweiligen Besuche ihrer beiden Töchter und ihrer besten Freundin hätten sie daher als „eine sehr besondere, intensive Zeit“ erlebt.
Respekt vor dem nächsten Streckenabschnitt
Dass der Camper hin und wieder Probleme hat – unter anderem zwei Totalausfälle, mehrere Ölwechsel und eine defekte Dachluke – gehört laut Markus und Yasmine dazu. Aktuell haben sie nach eigener Aussage nur wenig Strom im Innenraum, können ihre Induktionsplatte und den Airfryer nicht benutzen. „Aber genau das ist Teil dieser Reise, man stellt sich darauf ein, findet Lösungen und macht weiter.“
Gleichzeitig würden sie mit Respekt an die Strecke in Südamerika herangehen, zeigen sich gespannt, wie der Motor mit Höhenlagen von 4000 bis 5000 Metern über dem Meeresspiegel, die ihnen beispielsweise in Bolivien bevorstehen, umgehen wird. Auch das unplanbare Thema Sicherheit sei ihnen wichtig. Bisher sei ihr Camper wider Erwarten noch nicht aufgebrochen worden, auch weil sie darauf achten würden, wo sie ihn parken. Mit Blick auf Südamerika zeigen sie sich mit Erfahrungen aus der Vergangenheit jedoch optimistisch. „Unser Camper wurde beispielsweise schon einmal in Göteborg in Schweden aufgebrochen, am helllichten Tag auf einem öffentlichen Parkplatz. Genau solche Erlebnisse zeigen, dass es überall passieren kann, unabhängig vom Land.“
Wann genau sie das Ende der Panamericana erreichen werden, wissen Markus und Yasmine noch nicht. Auf Instagram berichten sie als „mayaexplorers“ von ihren Erlebnissen. Länger als geplant werden sie brauchen, realistisch erscheine ihnen der Januar 2027. Nach Panama folgt Kolumbien, am meisten freuen sie sich nach eigener Aussage schon auf die Landschaften und Menschen in Peru und Chile. „Grundsätzlich sind wir auf alle kommenden Länder sehr gespannt, weil jedes seine eigenen Besonderheiten mitbringt und wir jedes auf seine Art erleben wollen.“