Der Mainzer Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ (a+G) richtet sich nach einer herausfordernden Zeit neu aus. Wie der Verein mitteilt, hat der neue Geschäftsführer Martin Wick nach seinen ersten 100 Tagen eine Bilanz gezogen und die Weichen für die Zukunft gestellt.
Nötig wurde der Umbruch durch den ungeplanten, dauerhaften Ausfall des Gründers Prof. Dr. Gerhard Trabert im Jahr 2025 (wir berichteten). „Nach dem Ausfall von Gerhard Trabert standen wir unter Schock“, so Dr. Dr. Rahim Schmidt, der im April 2026 den Vorsitz des Vereins übernommen hat. „Wir wollen unseren Verein im Geist seines Gründers voranbringen und die wichtige Arbeit mit großer Leidenschaft fortsetzen.“ Um den Verein zukunftssicher aufzustellen, wurde im Mai eine hauptamtliche Geschäftsführung etabliert. Den Posten übernahm der Gesundheitsökonom und Krankenpfleger Martin Wick, der zuvor das Patientenmanagement der Mainzer Unimedizin leitete.
„Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht und ein elementarer Bestandteil der Daseinsvorsorge“, betont Wick. Es sei nicht akzeptabel, dass Menschen in Deutschland unversichert seien, sich Zuzahlungen nicht leisten könnten oder keinen Zugang zum Gesundheitssystem fänden. „Krankheit darf nicht arm und Armut darf nicht krank machen“, so Wick weiter.
Interne Stärkung und wachsende Not
Ein Schwerpunkt der ersten Monate lag auf der internen Konsolidierung und der Teamentwicklung. „Es ist unglaublich wichtig, dass wir als Team ein gesundes Selbstbewusstsein und einen gemeinsamen Stolz für das entwickeln, was wir hier jeden Tag leisten“, erklärt der neue Geschäftsführer. Prof. Dr. Gerhard Trabert sei ein Visionär mit großem Charisma gewesen. „Wir können ihn nicht ersetzen, aber wir führen seine Arbeit auf unsere Art weiter.“
Gleichzeitig verzeichnet der Verein weiterhin hohe Zahlen von Hilfesuchenden. Steigende Lebenshaltungskosten und der wirtschaftliche Druck auf Krankenhäuser, der zur Abweisung von unversicherten Notfallpatienten führe, verschärften die Lage. Der Verein will daher verstärkt auf politische Einflussnahme und Vernetzung setzen, um das Menschenrecht auf Gesundheitsversorgung zu verwirklichen.
Wick schließt mit einem klaren Ziel: „Es bleibt unser großes Ziel, dass wir uns als Verein irgendwann selbst abschaffen – aber die harte Realität zeigt, dass es aktuell leider mehr statt weniger Notwendigkeit für unseren Einsatz gibt!“