Der Fall ist so kurios, dass sogar das Satiremagazin „extra 3“ berichtete: Ein Solardach auf der Bezirkssportanlage Mainz-Mombach, das vor mehr als einem Jahr eingeweiht wurde, ist bis heute nicht in Betrieb. 550.000 Euro hat die Installation inklusive einer Tribüne gekostet (wir berichteten).
Als Besonderheit wurde damals das Dach hervorgehoben: Es besteht aus Photovoltaik-Modulen und wurde bei der Einweihung als nachhaltiges Vorzeigeprojekt gefeiert. Der damalige Finanzdezernent Günter Beck nannte es sogar ein „Referenzprojekt für ganz Rheinland-Pfalz für Sportvereine“. Doch bis heute wird dieses „Vorzeigeprojekt“ nicht genutzt. Theoretisch könnte die Anlage seit März 2025 jährlich 55.000 Kilowattstunden Strom erzeugen, was für die Versorgung von 15 Durchschnittshaushalten ausreichen würde.
Nicht ans Stromnetz angeschlossen
Nun stand das Thema auch auf der Agenda der Ortsbeiratssitzung Mainz-Mombach. In einer Antwort auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hatte die Stadtverwaltung zuvor bestätigt, dass die Anlage weiterhin nicht an das Stromnetz angeschlossen ist und somit keinen Strom produziert.
Laut dem Mainzer Bürgermeister und Sportdezernenten Daniel Köbler (Grüne) ist der Grund für den fehlenden Anschluss, dass der Strom ursprünglich von einem geplanten Multifunktionsgebäude auf dem Gelände genutzt werden sollte. Die Errichtung der überdachten Tribüne selbst war eine Auflage der Regionalliga Südwest für den Spielbetrieb des TSV Schott. Dessen erste Mannschaft trägt auf der Bezirkssportanlage ihre Heimspiele aus. Die Mehrkosten für die Photovoltaik-Module gegenüber einem herkömmlichen Dach seien mit 5000 Euro vergleichsweise gering gewesen.
Da der TSV Schott Mainz jedoch in die Oberliga abstieg, entfielen die Auflagen für das Multifunktionsgebäude. Dessen Bau wurde aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt zurückgestellt. Damit, so die Stadt, entfiel auch der Hauptabnehmer für den Strom und der Anschluss der Solaranlage wurde aus wirtschaftlichen Gründen ebenfalls verschoben.
Anschluss „nicht wirtschaftlich sinnvoll“
Ein direkter Anschluss an das öffentliche Stromnetz, um den Strom einzuspeisen, würde laut Stadt rund 82.000 Euro kosten, erklärte die Verwaltung damals gegenüber „extra3“. Dies sei „aktuell wirtschaftlich nicht sinnvoll“, obwohl damit Einnahmen von bis zu 5000 Euro pro Jahr erzielt werden könnten. In der Antwort an die SPD-Fraktion ergänzt Köbler: Ein späterer Anschluss und eine Nutzung der Anlage bleiben aber weiterhin möglich.
Ob das Projekt ein Vorbild für andere Sportstätten sei, müsse für jeden Fall einzeln beurteilt werden, so Köbler weiter. Konkrete Pläne, weitere Anlagen in Mainz nach diesem Vorbild auszurüsten, gebe es laut Sportdezernat derzeit nicht. Bei Neu- und Umbauten werde die Nutzung von Dachflächen für Photovoltaik aber grundsätzlich geprüft.