Im Fall der massiven Kakerlaken-Plage in einem Hochhaus in Mainz-Marienborn gibt es eine neue Entwicklung: Der Bewohner der Wohnung, von der der Befall ausging, wurde in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Für die anderen Bewohner des Hauses ist das ein wichtiger Schritt, doch das Problem ist noch nicht vollständig gelöst.
Die Situation in dem Wohnkomplex mit 228 Wohnungen hatte sich über Monate zugespitzt. Ausgehend von einer einzigen, stark vermüllten und verwahrlosten Wohnung, hatten sich die Schädlinge im gesamten Gebäude ausgebreitet. „Es ist eine unhaltbare und gesundheitsgefährdende Situation, die seit Jahren ungelöst bleibt“, berichtete die Eigentümerin einer Nachbarwohnung bereits im vergangenen September. Ihr Mieter und andere Bewohner waren wegen des Befalls zeitweise aus ihren Wohnungen geflohen. Ein ganzes Stockwerk sei verseucht gewesen und habe „ganz höllisch“ gestunken.
Der massive Befall wurde durch Bilder dokumentiert, die hunderte Kakerlaken in Klebefallen rund um die Tür der betroffenen Wohnung zeigten. Nachbarn hatten zudem beobachtet, wie der Bewohner Müll von draußen sammelte und in seine Wohnung trug oder mit Kakerlaken am Körper durch die Anlage gehe.
Gericht ordnete Unterbringung an
Nachdem Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen immer wieder scheiterten, solange der Mann in der Wohnung lebte, gibt es nun eine gerichtliche Entscheidung. Wie das Amtsgericht Mainz auf Anfrage mitteilt, wurde bereits Ende Oktober im Eilverfahren die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus vorläufig genehmigt. Grundlage waren die Einschätzung eines Sachverständigen und die Zustimmung des gesetzlichen Betreuers. Seit diesem Tag befindet sich der Mann nicht mehr in seiner Wohnung.
Nach Vorlage des endgültigen Gutachtens genehmigte das Gericht Mitte November die weitere Unterbringung. Der Plan sieht vor, den Mann in dem Krankenhaus zu belassen, bis ein Platz in einer geschlossenen Wohneinrichtung für ihn gefunden ist. Die Suche nach einer geeigneten Einrichtung dauert laut Gericht derzeit noch an.
Befall wird weiter bekämpft
Wie die Eigentümerin der Nachbarwohnung gegenüber Merkurist berichtet, sei der Mann zwar einmal aus dem Krankenhaus ausgebrochen, wurde aber umgehend wieder zurückgebracht. Ihr eigener Mieter sei mittlerweile endgültig ausgezogen. In dem Hochhaus würden nun in Zusammenarbeit mit der Hausverwaltung und der Stadt engmaschige Reinigungen durchgeführt und Kakerlakenfallen aufgestellt, um den Befall gezielt zu bekämpfen.
Unterdessen gibt es offenbar einen Rechtsstreit zwischen den Eigentümern der stark beschädigten und befallenen Ursprungswohnung. Dabei gehe es um die Frage, wer die Kosten für die notwendige Sanierung übernehmen muss.