„Innerhalb von Sekunden weg“: So nutzen Vermieter die Wohnungsnot in Mainz aus

Die Mieten in Mainz steigen, die Nachfrage ist riesig. Manche Vermieter nutzen die Notlage aus und versuchen teils mit dreisten Maschen, die Mietpreise für Wohnungen in die Höhe zu treiben.

„Innerhalb von Sekunden weg“: So nutzen Vermieter die Wohnungsnot in Mainz aus

Mehr als die Hälfte der Mainzer wohnen zur Miete. Gleichzeitig ist der städtische Wohnungsmarkt einer der dynamischsten in ganz Deutschland. Lag der Preis pro Quadratmeter Mietfläche im Jahr 2012 noch bei neun Euro, waren es 2024 schon fast 14 Euro (wir berichteten). Doch wie wirkt sich das eigentlich auf das Verhältnis zwischen Vermietern und Mietern aus? Offenbar nicht nur positive Erfahrungen hat Leserin Sarah gemacht. Sie berichtet von falschen Nebenkostenabrechnungen und davon, dass der „Vermieter sich um nichts kümmert“. Sarah fragt nun: „Werden die Vermieter in Mainz immer dreister?“

Großer Zulauf für Mieterschutzverein

Zustimmung kommt dabei von Leser Mathias. Er berichtet: „Eine offenbar nur vorgetäuschte Eigenbedarfskündigung zwang meine Nachbarin zum Auszug. Mitten in der Coronakrise musste sie sich eine neue Wohnung suchen. Wenige Monate später wird die Wohnung dann als Ferienwohnung annonciert.“ Leser Karl meint dagegen: Ich erlebe es auch, dass die Mieter immer dreister werden. Erst alles versprechen und wenn der Mietvertrag erst mal unterschrieben ist, interessiert man sich nicht mehr um die Hausordnung oder zahlt die Miete nur schleppend.“ Und ein weiterer Leser meint:

Eine Organisation, die um das Verhältnis zwischen Mietern und Vermietern weiß, ist der „Mieterschutzverein Mainz und Umgebung e.V.“ Dort kümmert man sich um die Belange von Mietern und berät sie in ihren Angelegenheiten. Dabei ist die Arbeit des Expertenteams, darunter vier Rechtsanwälte, in Mainz stark nachgefragt. So musste aufgrund des großen Zulaufs im letzten Jahr sogar ein Aufnahmestopp für Neumitglieder verhängt werden.

Im Gespräch mit Merkurist erklärt der erste Vorsitzende des Vereins, Karl Koch, dass es immer wieder mal zu „Verständnisschwierigkeiten“ zwischen Mietern und Vermietern komme. Oft gehe es um die Betriebskostenabrechnung oder auch mal um das Unverständnis über Mieterhöhungen. „Meistens können die Differenzen jedoch beigelegt werden, einige Fälle gehen aber auch vor Gericht“, gibt Koch an. Letzteres sei in letzter Zeit aber relativ selten vorgekommen.

Wie die Wohnungsnot ausgenutzt wird

Einige Vermieter in Mainz scheinen aber offenbar ausnutzen zu wollen, dass dem begrenzt zur Verfügung stehenden Wohnraum schon länger eine hohe Nachfrage gegenübersteht. So erinnert sich Koch an einen dreisten Fall, der schon ein paar Jahre zurückliegt. Dort hatte ein Vermieter in der Neustadt nach dem Auszug der Mieter eine 60 Quadratmeter große Wohnung farblich etwas aufgefrischt. „Statt vormals 700 Euro fordert er nun plötzlich das doppelte an Miete, also 1400 Euro.“ Und diese Dreistigkeit wurde noch belohnt. „Innerhalb von Sekunden war die Wohnung weg“, so Koch. Danach wohnten dort drei Leute in einer Studenten-WG.

Eine andere Möglichkeit, den Preis nach oben zu treiben, sei, die Wohnung „möbliert“ zu vermieten. „Da werden dann alte Sache reingestellt, um die Wohnung zu einem wesentlich höheren Preis anzubieten.“ Das sei zwar insgesamt selten der Fall, aber komme immer wieder vor. Auch eine „verkehrsnahe Anbindung“ oder jüngst der Zusatz „am Zollhafen“ würden für einen höheren Mietpreis herangezogen, auch wenn die Wohnungen einige Hundert Meter entfernt davon seien. Trotz solcher Preise beziehungsweise Mieterhöhungen würden sich aber viele nicht beschweren, weil sie froh seien, überhaupt eine Wohnung zu haben, erklärt Koch.

Wenn es dann also zu verhärteten Fronten zwischen Vermietern und Mietern kommt, ende der Streit meist in einem Vergleich. Wie Koch sagt, finde man immer noch Wege, sich zu einigen. Abgesehen von diesen Punkten bewertet der Vorsitzende des Mainzer Mieterschutzvereins die aktuelle Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt in der Stadt kritisch. „Es fehlen Wohnungen, zudem wäre es in der gesamten Situation gut, wenn die Mietpreisbremse aktiv und es auf bestimmte Zeit keine Preiserhöhungen geben würde“, so Koch. Doch daran glaube er nicht wirklich. Früher habe ein Gehalt gut gelangt, um an eine Wohnung zu kommen. Heute brauche man auch noch ein zweites Einkommen für eine Wohnung, da die Nebenkosten stetig steigen würden.

Weitere Informationen zum „Mieterschutzverein Mainz und Umgebung e.V.“ und zum Beratungsangebot gibt es hier.