In einer gemeinsamen Erklärung üben mehrere Mainzer Innenstadtvereine scharfe Kritik am Umgang der Stadt mit Baustellen und neuen Verkehrsführungen. Sie fordern ein professionelles Baustellen- und Verkehrsmarketing, da es nicht ausreiche, Straßen zu sperren und Schilder aufzustellen.
Die neue Verkehrsführung im Bleichenviertel zeige das Problem deutlich. So seien in der Hinteren Bleiche innerhalb von zehn Minuten außer 13 Fahrrädern auch elf Autos und ein Motorroller entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung gefahren. Auch das Linksabbiegeverbot von der Flachsmarktstraße in die Große Bleiche werde häufig missachtet. Ähnliche Verwirrung gebe es an der Holzhofstraße.
Wenn neue Regelungen massenhaft missverstanden würden, müsse sich die Stadt fragen, ob sie den Menschen verständlich erklärt habe, was sich verändert hat. „Wer darauf nur mit weiteren Verbotsschildern reagiert, macht es sich zu einfach“, fordert Ulrich H. Drechsler, Vorsitzender von „Unser Mainz in Rheinhessen e.V.“. Die Stadt müsse rechtzeitig erklären, wie man stattdessen ans Ziel komme.
Gefahr für Existenzen am Gutenberg-Museum
Noch gravierender sei die Situation rund um den Neubau des Gutenberg-Museums. Die Schließung der Weinstube „Rote Kopf“ müsse ein Weckruf sein. Der Betreiber habe von einem Umsatzeinbruch von mehr als 90 Prozent berichtet und die Baustelle dafür verantwortlich gemacht. Auch das benachbarte Traditionsgeschäft „Perle un Knöpp“ steht vor dem Aus (wir berichteten).
Wer einen zentralen Bereich über Jahre zur Großbaustelle mache, brauche vom ersten Tag an einen Plan, wie das Umfeld überleben soll, so die Vereine. Baustellenmarketing sei hier keine freiwillige Öffentlichkeitsarbeit, sondern „zwingend erforderliche Existenzsicherung und Wirtschaftsförderung“. Das Versäumnis sei unverständlich. „Man hat doch schon bei den jahrelangen Baustellen rund um die Schillerstraße gesehen, dass Existenzen zerstört werden“, erinnert Jan Sebastian, Vorstand des Mainz City Management e.V.
Vereine fordern Umdenken bei der Stadt
Die Innenstadtvereine fordern seit Jahren eine professionelle Begleitung größerer Baustellen. Kommunikation müsse vor dem ersten Bagger beginnen und nicht nach dem letzten Hilferuf. Für das Umfeld des Gutenberg-Museums schlagen sie Baustellenführungen, sichtbare Baufortschritte, Veranstaltungen und gemeinsame Kampagnen mit den ansässigen Betrieben vor, um Menschen gezielt an den Liebfrauenplatz zu bringen.
„Verkehrsschilder regeln Verkehr, sie erklären ihn nicht. Baustellen verändern eine Stadt, sie dürfen sie aber nicht wirtschaftlich austrocknen“, verlangt die Mainzer Citymanagerin Sandra Klima. Wer Mainz umbaue, müsse Verantwortung für die Zeit des Umbaus übernehmen.