Baustelle am Gutenberg-Museum zwingt Mainzer Traditionsgeschäft zur Aufgabe

Nach über 40 Jahren ist bald Schluss: Das Mainzer Traditionsgeschäft „Perle un Knöpp“ schließt. Die Baustelle für das Gutenberg-Museum hat dem Laden offenbar die Laufkundschaft geraubt und der Inhaberin die Freude genommen.

Baustelle am Gutenberg-Museum zwingt Mainzer Traditionsgeschäft zur Aufgabe

Seit über 40 Jahren ist Ute Meller mit „Perle un Knöpp“ Am Markt 33 ansässig. In Sichtweite des Doms und der Nagelsäule, zwischen Taba Casa und Jamys Burger. Im Oktober, spätestens im November dieses Jahres ist aber Schluss. Gegenüber Merkurist legt die Inhaberin dar, warum sie das Geschäft aufgeben wird.

Ohne Laufkundschaft zu wenig Umsatz

Ihr Sortiment hat sich Meller in der ganzen Welt zusammengekauft: Batikkleider, Schmuckzubehör, Perlen aus Silber, Glas und Naturmaterialien, Knöpfe aus verschiedenen Materialien. Für die Kundschaft eine kleine Schatztruhe, um eigenen Schmuck zu fertigen, alte Kleidung aufzupeppen, die Wohnung zu schmücken. Dazu bunte Tücher und Schals – früher wehten sie vor dem Laden im Wind, zogen Kundschaft an. Doch das ist vorbei. Denn das Geschäft verschwindet aktuell hinter dem Bauzaun des Gutenberg-Museums.

Vor dem Abriss des Museums war das große Schaufenster von „Perle un Knöpp“ schon von Weitem zu sehen, hinter den Blumenbeeten auf dem Mainzer Liebfrauenplatz. Einladend sei das insbesondere für Touristen gewesen, das Dekorieren habe ihr Freude gemacht, sagt Meller. Und jetzt? Laufkundschaft verirrt sich offenbar höchstens noch zufällig in die enge Sackgasse zwischen Hauswand und Bauzaun. Im letzten Jahr sei diese Schneise noch enger gewesen, der Bauzaun stand fast direkt vor dem Ladenfenster, so Meller. Dann gab es offenbar noch Probleme mit der Feuerwehrzufahrt, und der Zaum wurde zwei Meter zurück gerückt. Sichtbarer wurde „Perle un Knöpp“ damit nicht.

„Keine Freude mehr“

Mit 71 Jahren könnte sie jetzt an die Rente denken – aber für Selbstständige gelte nun mal ein anderes Renteneintrittsalter, sagt Meller. Außerdem hatte sie sich vorgenommen, solange zu arbeiten, wie ihr das Arbeiten Freude macht. Als noch kein Bauzaun die Sicht auf ihr Geschäft verhinderte, dachte sie an einen allmählichen Abschied vom Geschäftsleben. Daraus wird jetzt nichts. Denn: „Es macht mir keine Freude mehr. Die Umstände sind nicht mehr schön“, so Meller.

Die Stadt habe bei den Gewerbetreibenden um die Museums-Baustelle herum nachgefragt, was getan werden könne, um die Umsatzeinbußen in Grenzen zu halten. Vorschläge habe es seitens der Inhaber gegeben, sagt Meller. Zum Beispiel große Fotos von den Geschäften und ihrem Sortiment auf dem Bauzaun – ähnlich wie in der Großen Langgasse während der Bauarbeiten. Mit der Aussage, die Stadtbildpflege wolle das nicht, sei der Vorschlag dann aber abgelehnt worden, erklärt Meller.

Öffnungszeiten eingeschränkt

Mangels Kundschaft schränkte Meller die Öffnungszeiten nun drastisch ein. Ihre Stammkunden, die nicht auf „Perle und Knöpp“ verzichten wollen, hätten ihr zu dem großen Schild im Schaufenster geraten: „Nachfolger gesucht“ steht darauf. Meller würde sich freuen, könnte sie ihr Sortiment in andere Hände übergeben. In Zukunft wird es aber erst einmal ein weiteres inhabergeführtes Geschäft weniger in Mainz geben.