„Existenzen zerstört“: Stadt Mainz reagiert auf Kritik am Baustellenmarketing

Wegen der vielen Baustellen in Mainz haben Innenstadtvereine kürzlich Alarm geschlagen und vor der Zerstörung von Existenzen gewarnt. Nun reagiert die Stadt auf die Kritik.

„Existenzen zerstört“: Stadt Mainz reagiert auf Kritik am Baustellenmarketing

Mehrere Mainzer Innenstadtvereine hatten zuletzt in einer gemeinsamen Erklärung den Umgang der Stadt mit dem Baustellen-Marketing und neuen Verkehrsführungen scharf kritisiert (wir berichteten). Sie warfen der Stadt vor, die Existenzen von Geschäften zu gefährden. Nun hat die Stadtverwaltung auf die Vorwürfe reagiert.

Die Vereine fordern ein professionelles Baustellen- und Verkehrsmarketing. Es reiche nicht aus, einfach nur Straßen zu sperren und Schilder aufzustellen. Wenn neue Regelungen von vielen Menschen missverstanden würden, müsse die Stadt ihre Kommunikation hinterfragen. „Wer darauf nur mit weiteren Verbotsschildern reagiert, macht es sich zu einfach“, kritisierte Ulrich H. Drechsler, Vorsitzender von „Unser Mainz in Rheinhessen e.V.“.

„Zwingend erforderliche Existenzsicherung“

Besonders gravierend sei die Lage rund um den Neubau des Gutenberg-Museums. Die Schließung der Weinstube „Rote Kopf“, deren Betreiber über einen Umsatzeinbruch von über 90 Prozent klagte, müsse ein Weckruf sein. Auch das Traditionsgeschäft „Perle un Knöpp“ steht wegen der Baustelle vor dem Aus (wir berichteten).

Wer einen so zentralen Bereich über Jahre zur Großbaustelle mache, brauche von Anfang an einen Plan, wie das Umfeld überleben könne, so die Vereine. Baustellenmarketing sei hier keine freiwillige Öffentlichkeitsarbeit, sondern „zwingend erforderliche Existenzsicherung und Wirtschaftsförderung“. Jan Sebastian, Vorstand des Mainz City Management e.V., erinnerte an frühere Versäumnisse: „Man hat doch schon bei den jahrelangen Baustellen rund um die Schillerstraße gesehen, dass Existenzen zerstört werden“.

Stadt will Baustellenmarketing aufbauen

Die Stadt Mainz zeigt Verständnis für die Sorgen. Auf Anfrage von Merkurist teilt Stadtsprecher Andreas Behringer mit: „Die Verwaltung ist sich darüber bewusst, dass die vielen Baustellen für die Innenstadt und gerade für den dort ansässigen Handel eine Belastung darstellen.“ Man habe dementsprechend Verständnis für den Unmut der Vereine.

Behringer erklärt, dass die Stadt derzeit ein eigenes Baustellenmarketing bei der Wirtschaftsförderung aufbaue. Dieses soll die Baumaßnahmen kommunikativ begleiten und vor allem die Erreichbarkeit der Geschäfte sicherstellen. Aktuell werde ein Handbuch für das Baustellenmarketing erarbeitet, wobei auch die Innenstadtvereine eingebunden seien.

Ziel sei es, künftig schneller und zielgerichteter auf neue Baustellensituationen reagieren zu können. Der bereits bestehende „regelmäßige und konstruktive Dialog“ mit den Innenstadtvereinen solle fortgesetzt werden.