Hitzetage wie in diesem Jahr könnten in Zukunft immer häufiger werden. Gleichzeitig steigt an diesen Tagen der Wasserverbrauch deutlich an. Mehrere Städte riefen daher bereits im Juni zum Wassersparen auf. Auch die Mainzer Stadtwerke gaben dies Ende Juni bekannt (wir berichteten). Für Dr. Helmut Lehn von den „Scientists for future Mainz-Wiesbaden“ ist klar: Der Umgang mit Wasser muss sich verändern, um auf kommende Hitzewellen vorbereitet zu sein. Gegenüber Merkurist erklärte er, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten.
Konkurrenz um Wasser an Hitzetagen
„Gerade an Hitzetagen steigt die Wassernutzung drastisch an – etwa durch Duschen, Gartenbewässerung oder das Befüllen von Pools“, so Lehn. Gleichzeitig müssten Landwirte mehr bewässern, zudem seien städtische Grünflächen auf Wasser angewiesen. Damit würden diese Gruppen um das Wasser konkurrieren.
Weitere Herausforderungen beim Wassermanagement: mehr Starkregenereignisse und weniger Grundwasser. Mainz nutzt laut Lehn überwiegend Uferfiltrat, also aufbereitetes Wasser, das aus Brunnen in der Nähe von Flüssen gewonnen wird. Diese seien weniger vom Grundwasserstand als vom Pegel des Flusses abhängig. Bereits im Juni zeigte sich, dass ein Brunnen des Wasserwerks Petersaue auf der Rheininsel aufgrund der anhaltenden Niedrigwasserphase nur zeitweise betrieben werden konnte.
Warum ausreichend Waser notwendig ist
Mainz zählt zu den Städten, die besonders durch Hitze belastet sind (wir berichteten). „Das Gebot der Stunde lautet: kühlen, kühlen, kühlen“, verdeutlicht Lehn. Schatten und Verdunstung würden helfen, die Stadt abzukühlen. Das könne durch Bäume erreicht werden, weshalb mehr Grünflächen benötigt würden. Damit einhergehend werde aber auch mehr Wasser benötigt, um gesunde Bäume zu erhalten. Drei bis vier Bäume benötigten etwa 1000 Liter am Tag. „Somit spielt Wasser für die vorhandenen und zusätzlich erforderlichen Anpflanzungen die zentrale Rolle beim Hitzeschutz – neben Trinken, Duschen oder Schwimmen“, so Lehn.
Brauchwasser zur Entlastung der Trinkwasserressourcen
„Woher das zusätzliche Wasser für Stadtgrün genommen werden soll, wird im Hitzeaktionsplan des Landes Rheinland-Pfalz aktuell nicht konkretisiert“, so Lehn. „Um der Gefahr der Wasserknappheit zu begegnen und um den Druck auf die Trinkwasserressourcen zu reduzieren, ist es erforderlich, in ausreichendem Maße Brauchwasser zur Verfügung zu stellen“. Dabei handelt es sich um recyceltes Abwasser, das nicht trinkbar, aber zum Beispiel zum Bewässern geeignet ist.
Um Brauchwasser herzustellen, sei es erforderlich, Abwasser zu trennen, „ähnlich der Mülltrennung“, so Lehn. Das häusliche Abwasser werde aufgeteilt in „Dachablaufwasser“, „Toilettenabwasser“ und „sonstiges Abwasser“ (aus Dusche, Waschmaschine, Waschbecken). „Dazu werden mehrere Abwasserleitungen benötigt.“ Mit der Umsetzung könne man deshalb besonders gut in Neubaugebieten beginnen. Mehrere Städte würden diesen Weg bereits gehen. In der Siedlung Flintenbreite in Lübeck seien Ansätze bereits vor der deutschen Wiedervereinigung umgesetzt worden. Auch Mannheim, Hamburg und Berlin haben in letzter Zeit entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Laut Lehn sei dies in Mainz weder in den Neubaugebieten am Winterhafen, im Zollhafen oder im Heiligkreuzviertel geschehen sei. „Das ist enttäuschend“, so der Experte.
Maßnahmen zur Vorbereitung auf heiße Sommer
Ein modernes Wassermanagement sei demnach „essentiell“. Daneben sieht Lehn noch weitere Maßnahmen, mit denen sich Mainz besser auf heiße Sommer vorbereiten kann. Notwendig seien demnach mehr entsiegelte und begrünte Flächen sowie die Nutzung von Rigolen und Zisternen. Rigolen sind unterirdische Kies- oder Schottergräben, in denen Regenwasser besser versickern kann. Zisternen sind unterirdische Auffangbecken für Regenwasser. Somit könne Regenwasser gespeichert werden.
Für die Bevölkerung lasse sich der Hitzeschutz kurzfristig durch ausreichend Wasserspender, Wasservernebelungsanalagen auf öffentlichen Plätzen sowie mehr Wasserspielplätzen verbessern. Auch kühle Rückzugsorte, wie zum Beispiel Kühlcontainer, könnten eine Hilfe sein.
Warum zeigen sich aktuell die Probleme deutlicher?
Durch die aktuellen Klimaveränderungen werden Niederschläge seltener und gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu. Die Folge: Der natürliche Wasserkreislauf wird verändert. „Durch die höhere Temperatur verdunstet mehr Wasser und erreicht nicht den Boden. Gleichzeitig nehmen trockene Böden weniger Wasser auf“, so Lehn. Dadurch gehe die Grundwasserneubildung zurück. Starkregen habe so weniger Möglichkeiten zu versickern und fließe ab. Das führe wiederum zu Überschwemmungen und generell gesteigerter Hochwassergefahr.
Für Lehn steht fest: Damit Mainz auch in Zukunft gut mit immer häufigeren Hitzewellen umgehen kann, sei es entscheidend, bereits jetzt Maßnahmen beim Wassermanagement zu treffen.