So sah Mainz in der Nazi-Zeit aus

In den 1930er und -40er Jahren prägte das Mainzer Stadtbild vor allem eins: Hakenkreuze auf überdimensionalen Flaggen. Das Ganze hatte System.

So sah Mainz in der Nazi-Zeit aus

Mehr als vier Jahre lang war Adolf Hitler schon Reichskanzler, als er nach sieben Jahren zum zweiten Mal Mainz besuchte. Im Oktober 1938 fuhr er in einem offenen Cabrio durch die Stadt, ließ sich von den Massen bejubeln.

Eine der wenigen Farbaufnahmen, die es von der Zeit gibt, zeigt das heutige Landesmuseum in der Großen Bleiche. Die lange Fassade des Gebäudes war mit meterhohen Flaggen ausgestattet, zusätzlich dazu wurden Flaggen an Masten entlang der Straße aufgestellt sowie kleinere Fahnen an den Fenstern. Hitler ist zwar nicht auf dem Foto zu sehen, aber die Menschen, die auf ihn warten.

Angeordneter Flaggenschmuck

„Dieser Flaggenschmuck war überall, und das war so angeordnet“, erklärt Henrik Drechsler vom „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“. Regelmäßig bieten er und andere Mitarbeiter Führungen an, auf denen die „Spuren des Nationalsozialismus durch Mainz“ abgelaufen werden.

Die Hakenkreuze waren nicht nur an öffentlichen Gebäuden zu sehen. Zu bestimmten Festtagen waren die Menschen verpflichtet, auch an ihren Häusern Flaggen rauszuhängen. Wer dem nicht nachkam, habe damit rechnen müssen, von einem Nachbarn verraten zu werden, so Drechsler weiter. Gleichzeitig seien die Herstellung und der Verkauf der Flaggen ein einträgliches Geschäft gewesen. „In den Zeitungen inserierten Flaggenverkäufer in großen Anzeigen.“

Ideologien wurden „unter das Volk gebracht“

Auch das Staatstheater und das Gutenbergdenkmal gegenüber wurden als politische Orte benutzt und mit großformatigen Hakenkreuz-Flaggen ausgestattet. „Die Kunst, das Theater haben damals in der Unterhaltung noch eine viel größere Rolle gespielt, als es heute der Fall ist“, so Drechsler. Daher seien die Orte auch interessant für die Nationalsozialisten gewesen, um die eigenen Ideologien und Ansichten „unter das Volk zu bringen“.

Ein weiteres Bild zeigt den Schönberger Hof gegenüber dem Schillerplatz. Auch hier wurden meterlange Hakenkreuz-Flaggen gehisst. Der ehemalige Adelshof, im 17. Jahrhundert von Geheimrat Philipp Erwein von Schönborn erbaut, wurde jedoch im Lauf des Zweiten Weltkriegs so stark zerstört, dass das zweite Obergeschoss entfernt werden musste. Später wurde es im Zustand des 17. Jahrhunderts rekonstruiert.

Die Führungen, etwa auf den Spuren des Nationalsozialismus durch Mainz, findet ihr auf der Webseite des „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“.