Der 11.11. ist in Mainz normalerweise ein fröhlicher Tag. Im Jahr 1931 war er allerdings ein ziemlich ernster, an dem bei Ausschreitungen einige Menschen verletzt worden sind. Auslöser war ein Besuch von Adolf Hitler, der auch schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten die Massen polarisierte.
Großer Andrang sowie Proteste
Hitler war damals Vorsitzender der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). In Mainz sprach er kurz vor der hessischen Landtagswahl noch einmal zu seinen Anhängern und versuchte auch, Unentschlossene von seiner Idee zu begeistern. Dafür trat er in der alten Stadthalle auf, an deren Stelle heute die Rheingoldhalle steht. Da offenbar mehr Menschen Hitler sehen wollten, als man erwartet hatte, errichtete man kurzerhand noch ein großes Zelt vor der Halle. Schließlich sprach Hitler am Abend dann vor etwa 20.000 Menschen in Mainz.
Wie der „Mainzer Anzeiger“ vom 12. November 1931 berichtet, zog es aber nicht nur Mainzer zur Kundgebung der NSDAP. Hitlers Vortrag sollten „Angehörigen der Partei im gesamten rheinhessischen Gebiet und in den angrenzenden Teilen des Landes Nassau, des Saargebietes und der Pfalz“ verfolgen können. Dies traf dann offenbar auch so ein. Laut der Zeitung bewegten sich „von den frühen Nachmittagsstunden ab die von Nah und Fern mit Sonderzügen und Lastwagen ankommenden Besucher der Versammlung durch die Straßen der Stadt zur Stadthalle“. Dennoch waren nicht nur Anhänger von Hitler an diesem Tag in der Stadt.
Wie die Presse berichtet, stürmten am späten Nachmittag Kommunisten durch die Straßen am Rhein und gerieten mit Hitlers Anhängern aneinander. „Die Polizei musste mehrfach einschreiten“, heißt es dazu im „Mainzer Anzeiger“. Hin und wieder seien an diesem 11.11. sogar Schüsse gefallen und der Gummiknüppel zum Einsatz gekommen. Und so berichtet die Polizei auch von „einigen Verletzten und vielen blauen Flecken“.
„Geschickt wie ein Demagoge“
Letztlich musste die Polizei am Abend sogar die Stadthalle schließen, da sie komplett gefüllt war. „Von stürmischen Beifallsrufen begleitet“ schritt Hitler schließlich in den Saal, wie der „Mainzer Anzeiger“ seine Leser informierte. Unter anderem sprach Hitler dann über das „gesamtdeutsche Volksschicksal“ sowie die nicht mehr vorhandene „politische Macht Deutschlands“. Auch wenn die Leute in der Halle applaudiert haben sollen, kritisierten die Zeitungen Hitlers Rede. „Neues wusste Hitler nicht zu sagen“, stellte der „Mainzer Anzeiger“ fest.
Das „Mainzer Volksblatt“ sah in Hitler Rede ebenfalls nichts Besonderes. „Kein Wort über Außenpolitik, über Wirtschaftsfragen, kein Berühren der sozialen Fragen, kein Eingehen auf die Tagesprobleme, nur eine historische Betrachtung über den Sinn des Nationalismus.“ Zudem analysierte die Zeitung: „Geschickt wie ein Demagoge flickt er aus den einzelnen Redewendungen, Opfermut, Volksgemeinschaft, blutsmäßige Verbindung, immer neue pathetische Sätze, den nationalistischen Begeisterungssturm zu entflammen.“
Attentat auf Hitler geplant?
Der Auftritt 1931 sollte jedoch nicht Hitlers letzter Besuch in Mainz sein. Bereits ein Jahr später trat Hitler wieder vor Tausenden Menschen in der Stadt auf. Diesmal sprach er im Bruchwegstadion anlässlich des Reichstagswahlkampfes 1932. Im Anschluss organisierte die NSDAP einen Fackelzug durch Mainz, der von der Kaiserstraße und der Rheinallee über die Große Bleiche, den Schillerplatz, die Ludwigstraße bis zum Halleplatz führte.
Laut dem Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. sollen antifaschistische Gegendemonstrationen den Aufmarsch gestört haben. „Ob es im Zusammenhang damit in Höhe der Zanggasse tatsächlich zu einem Attentatsversuch auf Adolf Hitler kam (Bericht der Mainzer Tageszeitung vom 12.9.1933), lässt sich nicht mehr zweifelsfrei klären“, heißt es auf regionalgeschichte.net.