Protestaktion in der Mainzer Neustadt

Die Bodenversiegelung in Mainz ist in der Wahrnehmung vieler Bürger zu einem zentralen Problem geworden. Gegen die jüngste Betonfläche am Zollhafen regte sich ein spontaner Protest – mit mehr Teilnehmern als erwartet.

Protestaktion in der Mainzer Neustadt

Wie Merkurist mehrfach berichtete, gibt es viele Beispiele für betonierte und gepflasterte Plätze in der Mainzer Innenstadt. Auch der kürzlich eingeweihte Clarissa-Kupferberg-Platz am Zollhafen fällt in dieses Muster. Am Samstag gab es dort nun einen Bürgerprotest, der sich gegen „das Betonwüstentum“ richtet, wie es in dem Aufruf heißt.

„Frechheit“, was vor Ort passiert

Trotz Regenwetters trafen nach und nach immer mehr Menschen auf dem grauen Platz ein. Zwischenzeitlich standen an die Hundert Menschen zusammen. Einige hatten kleine Topfpflanzen mitgebracht und platzierten sie demonstrativ in der Mitte der neu versiegelten Fläche. Zum Schluss standen rund 60 Pflänzchen inmitten einer kleinen Menschenmenge auf dem Platz. In der buntgemischten Bürgerversammlung waren alle Alterklassen vertreten. „Es sind viele Menschen hier, die direkt betroffen sind. Vor allem viele Familien. Denn alle haben sich furchtbar aufgeregt“, sagt eine Protest-Teilnehmerin.

„Das wurde uns anders verkauft damals. Das war viel grüner auf den Bildern“, beschwert sich zum Beispiel ein Anwohner. „Als Anwohner darfst du keinen Steingarten haben. Also nicht, dass wir das wollen würden, aber wieso darf die Stadt sowas?“ Er findet es eine „Frechheit“, dass trotz des Engagements vor Ort, keine Grünflächen umgesetzt wurden. Der verhältnismäßig große Andrang und die vielen angeregten Gespräche gaben an diesem Samstag dann auch einen Eindruck von dem angesprochenen Engagement für mehr Grünflächen.

In den vielen Unterhaltungen herrschte meist ein ähnlicher Tenor. Es überwog die enttäuschte Hoffnung auf mehr Grün. Oft schwang auch Ärger oder Frust in den Gesprächen mit: „Aufreißen, zubetonieren. Aufreißen, zubetonieren. Das ist gefühlt alles, was hier immer passiert,“ sagte ein anderer Anwohner. „Es gibt sicherlich viele Gründe für die Gestaltung, wie den Hochwasserschutz zum Beispiel. Mir wurde erklärt, dass hier eine Kulturachse entstehen soll vor der Kunsthalle“, so der Ortsvorsteher der Neustadt Christoph Hand (Grüne). „Eine graue Betonkultur wohl eher“, erwiderte ein älterer Herr verärgert.

Hand war als einziger Vertreter der Stadtverwaltung vor Ort. Er hörte den vielen Bürgern zu, die auf ihn zukamen und gab Rechtfertigungs- oder Erklärungsversuche ab: „Die Pläne, die hier umgesetzt wurden, sind zehn oder 15 Jahre alt. Gestalterisch spannend, aber nicht mehr zeitgemäß“, so der Ortsvorsteher. Auf die Frage, was konkret auf diesem Platz gegen die Versiegelung unternommen werden könne, zuckte er leicht mit den Schultern: „Aktuell ist die Stadt hier nicht zuständig, sondern die Zollhafen GmbH. Die Gestaltung wurde damals über einen städtebaulichen Vertrag geregelt.“

Annett Range heißt die Anwohnerin, die den Protest organisiert hat. Sie wohnt seit vielen Jahren in der unmittelbaren Nähe des Zollhafengeländes und war enttäuscht über die Flächengestaltung des Neubaugebiets. Spontan rief sie daher zu der Aktion auf und druckte wenige Tage vorher ein paar Flyer. „Wenn nur drei gekommen wären, wäre es schon ein Erfolg in meinen Augen. Aber das hier ist wirklich fantastisch.“ Ihre Tochter war ebenfalls am Samstag vor Ort: „In meiner Kindheit habe ich hier gerne gespielt. Statt neuen Grünflächen ist hier jetzt noch mehr Beton. Das ist doch kein lebenswertes Gebiet.“ Eifrig zählte sie die mitgebrachten kleinen Pflänzchen, die zumindest symbolisch und für den Moment für ein wenig grün auf dem Zollhafengelände sorgen.

Momentan schreitet die Sanierung des Rheinufers weiter voran. Am Montag (9. Oktober) startet die Neugestaltung des Rheinuferabschnitts in der Umgebung der Caponniere. Das Kopfsteinpflaster soll hier erhalten bleiben. Der Bürgerbeteiligungsprozess für den Rheinuferabschnitt am Kaisertor und den Nordmole-Bereich des Zollhafens läuft weiterhin.