Aufmerksamen Merkurist-Lesern war es bereits aufgefallen: Die Bauarbeiten an der Gedenkstätte „Deportationsrampe“ an der Ecke Goethestraße/Mombacher Straße schienen in den vergangenen Monaten kaum voranzuschreiten. Und das, obwohl bei Beginn der Baumaßnahmen im Sommer 2025 mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2026 gerechnet worden war (Merkurist berichtete).
Witterung verzögert Betonarbeiten
Auf Anfrage bestätigt die Stadt Mainz, dass die Bauarbeiten an der Erinnerungsstätte für die während der NS-Zeit deportierten Mainzer Bürgerinnen und Bürger Ende 2025 unterbrochen wurden. Grund war laut Stadt, dass „die erforderlichen Leistungen für die Herstellung der zentralen baulichen Elemente“ mehrfach ausgeschrieben werden mussten. Zudem beständen hohe Anforderungen an die Qualität des sichtbaren Betons. Aus diesem Grund hätten die Betonarbeiten nicht im Winter stattfinden können. „Maßgeblich war dabei, die festgelegte gestalterische und bauliche Qualität des Gedenkorts sicherzustellen.“
Die Gedenkstätte, die nach einem Entwurf des Dresdener Architekten-Büros „Atelier Schmelzer Weber“ und dem Berliner Bildhauer Prof. Andreas Theurer gestaltet wird, soll aus einer Betonwand und einer Betonskulptur bestehen. An der Wand sollen die Namen deportierter Mainzer Sinti und Juden in Bronze-Buchstaben angebracht werden. Trotz der Bauverzögerung sind nach Angaben der Stadt keine Änderungen an der Gestaltung vorgesehen.
Konkreter Eröffnungstermin unklar
Seit Ende August werde nun auch wieder auf dem Grundstück des ehemaligen Mainzer Güterbahnhofs gearbeitet, so die Stadt. Während des Baustopps hätten im Hintergrund weitere Planungen stattgefunden. Bisher seien insbesondere vorbereitende Arbeiten ausgeführt worden. Eine Aussage dazu, zu wie viel Prozent der Bau bereits fortgeschritten ist, ist nach Angaben der Stadt nicht möglich. Hintergrund seien die großen Unterschiede zwischen Umfang und Umsetzungs-Aufwand der einzelnen Bau-Elemente. Auch wann genau die Gedenkstätte eröffnet werden könne, sei noch nicht absehbar. Nach aktueller Planung rechne die Stadt mit dem Frühjahr 2027. „Der tatsächliche Termin ist insbesondere vom weiteren Baufortschritt und den Witterungsverhältnissen abhängig.“
Mehr als 1000 deportierte Mainzer Bürgerinnen und Bürger
Hintergrund der Gedenkstätte ist die Deportation von Mainzer Bürgerinnen und Bürger während der Zeit des Deutschen Nationalsozialismus. Vom Gelände des damaligen Güterbahnhofs wurden 1940 etwa 100 Mainzer Sinti zunächst in das Zuchthaus Hohenasperg bei Stuttgart, und später in das Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau transportiert. Zwischen 1942 und 1944 folgten ihnen mehr als 1000 Jüdinnen und Juden in die Konzentrationslager Theresienstadt, Ausschwitz-Birkenau, sowie die Vernichtungslager Belzec und Sobibor. Die Stadt Mainz spricht auf einer Informationsseite zum jüdischen Leben in Mainz von 1300 bis 1400 Ermordeten.