Neuer Gedenkort in Mainz: Bauarbeiten beginnen

Am ehemaligen Mainzer Güterbahnhof haben die Bauarbeiten für einen neuen Gedenkort begonnen. Er soll an die Deportationen während der NS-Zeit erinnern.

Neuer Gedenkort in Mainz: Bauarbeiten beginnen

Die Stadt Mainz errichtet einen Gedenkort auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Dort soll künftig an die Massendeportationen während der NS-Zeit erinnert werden.

Das Gelände gehört heute der vlexx GmbH, die es der Stadt für das Projekt zur Verfügung stellt. Nach vorbereitenden Bodenarbeiten von vlexx konnten nun die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Die Baustelleneinrichtung ist bereits abgeschlossen, Container wurden geliefert und installiert sowie ein Bauzaun errichtet.

So soll der Gedenkort aussehen

In Kürze starten die Tiefbaumaßnahmen. Anschließend werden die Fundamente für eine Betonwand hergerichtet, auf der eine Betonskulptur entstehen soll. Historische Mauersegmente werden in das Fundament eingelassen. An der Wand werden die Namen der deportierten Mainzer Sinti und Juden in Zinn-Bronze-Buchstaben angebracht. Ein Edelstahlspiegel wird mit Zitaten aus Postkarten von Mainzer Bürgern versehen, die nach Piaski deportiert wurden.

Der Garten- und Landschaftsbau soll die umliegenden Grünflächen gestalten. Zudem werden großformatige menschliche Schatten dauerhaft in den Granitboden eingelassen. Die Fertigstellung ist für Anfang 2026 geplant.

Mehr als 1000 Mainzer wurden deportiert

Von diesem Ort aus wurden ab 1942 Menschen mit jüdischen Wurzeln aus Mainz und der Region in Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. Bereits am 16. Mai 1940 waren etwa 100 in Mainz lebende Sinti in das besetzte Polen deportiert worden. Der erste dokumentierte Transport vom Güterbahnhof erfolgte am 20. März 1942 in das Ghetto Piaski. Am 30. September 1942 wurden 883 Personen nach Treblinka deportiert. Insgesamt wurden bis Kriegsende 1131 Mainzer Juden deportiert.

Der Entwurf für den Gedenkort stammt vom Dresdner Büro Atelier Schmelzer Weber und dem Bildhauer Prof. Andreas Theurer aus Berlin. Sie hatten 2017 den Ideenwettbewerb der Stadt gewonnen.