Verborgen zwischen zwei Gebäuden, an der Rückseite der Kinderklinik, befindet sich seit Kurzem eine unscheinbare weiße Tür, mit einem unauffälligen schwarzen Hinweisschild über dem Eingang. Hier kommen Mütter hin, die sich in höchster Not befinden. Sie haben ein Baby auf die Welt gebracht, von dem vielleicht niemand etwas erfahren soll. Oder sie sehen keine Möglichkeit, sich um das Kind zu kümmern. In der „Babyklappe“ können sie es abgeben – anonym und unkompliziert.
In dem kleinen Raum hinter der Tür befindet sich ein Säuglingsbett und ein Stuhl mit einem kleinen Tisch. Sobald sich die Tür öffnet, wird in der Kinderklinik ein Alarm ausgelöst. Ab dem Zeitpunkt hat die Mutter noch fünf Minuten Zeit, um sich von ihrem Kind zu verabschieden. Sie kann einen Brief schreiben, auch Informationsmaterial liegt bereit, mit Kontaktdaten zu anonymen Beratungen. Sobald die Mutter den Raum verlassen und die Tür hinter sich geschlossen hat, sorgt ein Sicherheitsmechanismus dafür, dass sie sich von außen nicht mehr öffnen lässt.
Sofortige medizinische Versorgung
Das Baby indes wird sofort in die Kinderklinik gebracht und dort medizinisch versorgt. Anschließend wird das Jugendamt verständigt, das dann das Kind in Obhut nimmt.
Das Angebot der Babyklappe auf dem Gelände der Universitätsmedizin wurde am Donnerstag (23. April) erstmals in Betrieb genommen. Bis Oktober 2025 hatte sich die einzige Babyklappe der Stadt an der Rückseite des Bruder-Konrad-Stifts in der Kappelhofgasse in der Mainzer Altstadt befunden. Doch die Marienschwestern Mainz e.V., die das Angebot seit über 20 Jahren begleitet hatten, konnten diese Aufgabe nicht mehr fortführen (wir berichteten). Zehnmal war das Angebot in der Zeit in Anspruch genommen worden.
Schutz des Neugeborenen an oberster Stelle
„Dieses Angebot direkt an Ort und Stelle an der Klinik zu etablieren, ist effizient“, so der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch bei der offiziellen Einweihung der Babyklappe. „Meine Hochschätzung an alle, die das Projekt so schnell auf die Beine gestellt haben und es nun gemeinsam ehrenamtlich schultern.“ Oberstes Ziel sei dabei der Schutz des Babys sowie die Sicherheit der Mutter.
Getragen wird das Angebot künftig vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), unterstützt vom Land und der Stadt Mainz, die gemeinsam mit der Universitätsmedizin diese Lösung entwickelt hatten. 13.000 Euro kamen zudem vom Lions-Club. „Ich war vor allem froh, dass die Stadtversammlung ihr klares Votum dafür ausgesprochen hatte, dass die Babyklappe notwendig ist für Mainz – auch wenn ich hoffe, dass nur wenige dieses Angebot überhaupt benötigen werden“, so die Mainzer Sozialdezernentin Jana Schmöller. Der Mainzer Stadtrat hatte bei einer Sitzung im November einstimmig beschlossen, dass die Mainzer Babyklappe gerettet werden soll.
Hinweis:
In Mainz gibt es auch die Möglichkeit der vertraulichen Geburt. Diese kann von Schwangeren in Anspruch genommen werden, um das Kind anonym im Krankenhaus zur Welt zu bringen. Mehr Informationen dazu findet man etwa über diese Webseite. Schwangere in Not können sich zudem anonym und kostenlos an das Hilfetelefon wenden: 0800 4040020. Mehr Infos dazu gibt es hier.