Auf drei Mainzer Spielplätzen wurden in den letzten Monaten große Geräte abgebaut – ohne dass Ersatz in Aussicht ist. Von teilweisem Rückbau betroffen sind der Zagrebplatz in Hechtsheim, der Lessingplatz in der Neustadt und demnächst der Goetheplatz, ebenfalls in der Neustadt.
An den hölzernen Spielgeräten wurde jeweils Pilzbefall festgestellt, wovon ein erhebliches Sicherheitsrisiko ausgehe, schreibt die Stadtverwaltung. Dass jedoch kaum für Ersatz gesorgt wird, sorgt für Ärger in Ortsbeiräten und bei Anwohnern. Besonders im Neustadt-Ortsbeirat gibt es Unmut. Zusätzlich werden bald Spielgeräte auf dem Pausenhof zweier Mainzer Grundschulen abgebaut. Wie die Schulleitung der Dr. Martin-Luther-King-Schule im Stadtteil Hartenberg-Münchfeld berichtet, scheitert der Ersatz auch hier an der Finanzierung durch die Stadt.
Viele Forderungen, wenig Zusagen
Neustadt-Ortsvorsteher Christoph Hand (Grüne) fordert: „Der Ersatz ist zwingend notwendig und muss schnellstmöglich erfolgen. Gerade der Stangen-Wald im Goethepark ist ein tolles Spielgerät, welches intensiv von Kindern unterschiedlichen Alters genutzt wird“. Die Neustadt sei der kinderreichste Stadtteil in Mainz und die Zahl der Kinder sei in den vergangenen Jahren nochmal deutlich gestiegen, begründet der Ortsvorsteher die Dringlichkeit.
Ähnlich äußerte sich Hand zum Abbau der großen Rutsche auf dem Lessingplatz. „Ich habe das zuständige Amt gebeten, schnellstmöglich für Ersatz zu sorgen“, so der Ortsvorsteher (wir berichteten). Wegen fehlender Gelder sei es für die Stadt jedoch schwierig, die Rutsche gleichwertig zu ersetzen, habe er als Antwort aus der Verwaltung erhalten.
Wenig Hoffnung auf neue Geräte gibt es auch für den Zagrebspielplatz in Hechtsheim. Gegen den Abbau dort regt sich Widerstand: Für den Erhalt des Spielplatzes sammelten Anwohner über 1800 Unterschriften in einer Online-Petition.
Eltern und Schulleitung schlagen Alarm in Hartenberg-Münchfeld wegen der Situation auf dem gemeinsamen Schulhof der Astrid-Lindgren-Schule und der Dr. Martin-Luther-King-Schule. „Die Realität vor Ort ist dramatisch: Die bestehende Spiellandschaft muss spätestens bis zu den Osterferien 2026 aus Sicherheitsgründen gesperrt und abgebaut werden“, beschreibt ein Elternteil und zweite Vorsitzende des schulischen Fördervereins gegenüber Merkurist die Lage. Bald würden die Kinder aufgrund dieser und weiterer Sperrungen über keine adäquaten Spielmöglichkeiten mehr verfügen.
Obwohl Stadtverwaltung und die Gebäudewirtschaft Mainz ursprünglich zugesagt hätten, die veralteten Spielgeräte zeitnah zu ersetzen, seien diese Pläne nun aufgrund fehlender finanzieller Mittel gestoppt worden, so die Schulleitung gegenüber Merkurist. „Es ist nicht hinnehmbar, dass eine zugesagte Ersatzbeschaffung, für die bereits im letzten Sommer gemeinsam Geräte ausgewählt wurden, nun an der Finanzierung scheitert, während die Spielflächen für die Schülerinnen und Schüler ersatzlos wegfallen.“
Das sagt die Stadt
Auf Merkurist-Anfrage bezieht die Stadt Mainz Stellung und bestreitet, dass in der Tendenz immer mehr Spielgeräte von Mainzer Spielplätzen abgebaut werden: „Es gibt keinen Trend, dass auf den über 200 öffentlichen Spielplätzen Geräte ersatzlos verschwinden“, heißt es aus der Stadtpressestelle. Für ein „kinderfreundliches Mainz“ standen im letzten Jahr 164.000 Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung. „Der Stadtrat hat einer Erhöhung der Mittel auf 300.000 Euro im Haushaltsjahr 2026 zugestimmt“, so ein Sprecher.
Ob diese Erhöhung zulässig ist, sei jedoch abhängig von der Genehmigung des städtischen Haushaltes durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD): „Letztendlich kann die ADD mit der Erteilung der Haushaltsgenehmigung Vorgaben über die Verwendung der Haushaltsmittel festlegen“, teilt die Stadtverwaltung mit. Ob das Geld für eine Neuanschaffung aller abgebauten Geräte ausreicht, lässt die Stadt offen. Mit zusätzlichen Geldern sei aufgrund der Haushaltslage nicht zu rechnen.
Wie es jetzt weitergeht
Zum Rückbau der Spielgeräte am Goetheplatz bis zum Frühjahr 2027 stellte der Neustadt-Ortsbeirat eine Anfrage an Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne). Auch sie antwortete: „Aktuell steht aufgrund des noch nicht genehmigten städtischen Haushalts für Ersatzmaßnahmen in 2026 kein Geld zur Verfügung“. Ob abgebaute Geräte ersetzt werden, hängt laut der Dezernentin außerdem von der Neugestaltung der Spielplätze ab. Es sei nach einem Rückbau üblich, gemeinsam mit dem Amt für Jugend und Familie erst ein Partizipationsverfahren zur Neuplanung durchzuführen, so Steinkrüger.
Sollte die Mittelerhöhung genehmigt werden, rechne man im Anschluss mit einer Liefer- und Bauzeit von bis zu sechs Monaten – vorausgesetzt, die Geräte können ersetzt werden und die Neuplanungen hierfür sind abgeschlossen, so die Stadt Mainz auf Merkurist-Anfrage. Die Verwaltung erklärt, dass alle Spielplätze regelmäßig von speziell ausgebildeten Kontrolleuren auf Sicherheit und Mängel überprüft würden. Grundlage dafür sei die europäische Norm für Spielplatzgeräte.
Mängel würden „zeitnah“ repariert, schreibt die Stadtverwaltung weiter. Wenn eine Reparatur altersbedingt nicht mehr sinnvoll oder wirtschaftlich ist, werde das Gerät aus Sicherheitsgründen abgebaut. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Holzspielgerätes liege bei 15 bis 20 Jahren. Man wäge bei jedem Abbau ab, ob eine sofortige Ersatzbeschaffung notwendig ist. Eine gute Nachricht gibt es vom Frauenlobplatz: Dort wurde eine Kleinkindrutsche nach ihrem Abbau inzwischen neu errichtet – bezahlt aus Mitteln des Vorjahres.