Online-Handel, zahlreiche Baustellen und hohe Parkgebühren – viele Menschen haben den Eindruck, die Mainzer Innenstadt verliere an Attraktivität. Beim Blick auf die aktuelle Zahlen des sogenannten Innenstadtmonitorings könnte man wohl zu dieser Ansicht kommen: Zwar ist die Zahl der Geschäfte seit 2020 weitgehend konstant, doch der Trend geht zu weniger Einzelhandel und mehr Gastronomie.
Das Monitoring zeigt auch, dass in den Top-Lagen wie der Schusterstraße oder Am Brand vor allem große Ketten zu finden sind. Ihr Anteil liegt hier bei fast 85 Prozent. Wie Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz Anfang des Jahres sagte, seien Filialen auch für die Anziehungskraft von Kunden und für die Attraktivität des Einkaufsstandortes wichtig.
Doch wie sehen eigentlich die die großen Ketten selbst die Entwicklung der Mainzer Innenstadt? Merkurist hat einige große Unternehmen angefragt.
Galeria: „Die Mainzer Innenstadt hat Zukunft“
Für Galeria befindet sich die Mainzer Innenstadt derzeit in einer wichtigen Umbruchphase. „Neben einer allgemeinen Kaufzurückhaltung prägen bedeutende städtebauliche Entwicklungen das Bild – etwa die Modernisierung des Gutenbergmuseums sowie das Neubauprojekt Lu:Quartier“, erklärt Cara Vengels, Sprecherin des Unternehmens. Solche Veränderungen brächten Übergangsphasen mit sich. Gleichzeitig verweist sie auf Studien, laut denen Mainz als dynamischste Großstadt Deutschlands gilt und gute einzelhandelsrelevante Kennzahlen aufweist. „Diese positiven Rahmenbedingungen bestärken uns in unserer Überzeugung: Die Mainzer Innenstadt hat Zukunft – und Galeria gestaltet sie aktiv mit.“
Als „starker Frequenzbringer für Mainz“ investiere das Warenhaus kontinuierlich in die Attraktivität seiner Filiale. Verkaufsflächen würden modernisiert und Sortimente an die Kundenwünsche angepasst. Zudem engagiere man sich in lokalen Gremien, Werbegemeinschaften sowie Verbänden und schaffe durch Kooperationen neue Erlebnisse, die Menschen in die Stadt ziehen. Als Beispiele nennt Vengels die Zusammenarbeit mit dem Mainzer Oktoberfest oder ein Late-Night-Shopping-Event Ende März dieses Jahres, bei dem auch lokale Marken wie die Spielbank Mainz eine Bühne erhielten.
Klares Bekenntnis zum stationären Handel
Auch die Buchhandelskette Hugendubel sieht sich als aktiven Teil des städtischen Lebens. „Buchhandlungen schaffen Begegnungsräume, fördern Lesekultur und bereichern Innenstädte durch Veranstaltungen, persönliche Beratung und Inspiration“, sagt Pressesprecherin Cristina Herrmann. Mit der umfassenden Modernisierung der Filiale Am Brand im November habe das Unternehmen ein klares Zeichen gesetzt. „Die Investition ist ein klares Bekenntnis zum stationären Handel und zur kulturellen Vielfalt vor Ort“, so Herrmann. Die umgebaute Filiale trage mit einem breiten Sortiment und einer neuen Tagesbar sichtbar zur Attraktivität und Aufenthaltsqualität bei.
Dass der Standort in der Mainzer Innenstadt offenbar immer noch attraktiv ist, zeigt auch die Ansiedlung des Hugendubel-Konkurrenten Thalia, der noch in diesem Jahr in den ehemaligen Listmann am Höfchen einziehen wird (wir berichteten). „Hier entsteht nicht nur eine Buchhandlung, sondern ein Erlebnisort und Treffpunkt für die Menschen vor Ort, der die Mainzer Innenstadt bereichern wird“, teilt das Unternehmen mit.
Andere angefragte Ketten wollten sich nicht zur Zukunft der Mainzer Innenstadt äußern.