Die große Freitreppe am Mainzer Jockel-Fuchs-Platz wird gebaut. Nach Abschluss der Bürgerbeteiligung ist die Öffnung des Rathaus-Plateaus zum Rheinufer beschlossene Sache, wie Ralf Sadowski, Geschäftsführer der Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) im Gespräch mit Merkurist erklärt. Im Planungs- und Gestaltungsbeirats der Landeshauptstadt Mainz wurden nun die nächsten Schritte zur Umsetzung des Projekts vorgestellt.
Der Wunsch nach einer besseren Verbindung zum Rhein sei eines der klaren Ergebnisse der Bürgerbeteiligung so Sadowski: „Es wurde ganz deutlich, dass man sich eine Öffnung zum Rheinufer wünscht“. Die Treppe solle eine einladende Geste für Touristen und alle anderen sein, die vom Rhein in die Stadt kommen sowie Barrieren aufheben.
Der Weg zum finalen Entwurf
Um die beste Lösung für die Gestaltung zu finden, wird nun ein Architekturwettbewerb mit acht Büros ausgelobt. Dieser soll bis zum Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Die Vorgaben aus der Bürgerbeteiligung sind die Bedingungen für die Entwürfe der Architekten. Interessierte Bürger sollen weiter informiert und möglicherweise Teil der Jury für den Wettbewerb werden, sagt Sadowski: „Ich finde es wichtig, dass der Beteiligungs-Prozess nicht einfach abreißt.“
Klar ist bereits: Eine Treppenanlage wird es geben, weil diese zur Bedingung für den Gewinner-Entwurf gemacht werde. „Die Treppe ist ein Muss!“, betont Sadowski. Wie diese konkret aussehen wird, sei allerdings noch völlig offen, um die Kreativität der Planer nicht einzuschränken.
Eine besondere Herausforderung wird die Barrierefreiheit sein. „Eine normgerechte Rampe wäre beispielsweise rund 100 Meter lang und ist damit kaum umsetzbar“, so der MAG-Geschäftsführer. Hier seien kreative Lösungen gefragt, um einen möglichst inklusiven Zugang für alle zu schaffen – im Notfall käme auch eine nicht DIN-gerechte Lösung oder ein Aufzug in der Rheingoldhalle in Frage.
Kosten und Baubeginn noch offen
Erst wenn ein Siegerentwurf gekürt ist, können die genauen Kosten für das Bauvorhaben ermittelt werden. Anschließend muss die Stadt die Finanzierung sicherstellen. Aus diesem Grund gebe es derzeit noch keinen konkreten Zeitplan für den Baubeginn oder die Fertigstellung der Freitreppe. Zuerst steht in jedem Fall die Sanierung der Tiefgarage inklusive Abdichtung des Daches und der Rückbau an, bevor die Umsetzung des neuen Konzepts beginnen kann.
Hintergrund
Die Idee, den Jockel-Fuchs-Platz mit einer breiten Treppe zum Rhein hin zu öffnen, ist nicht neu. Zuvor gab es jedoch lange Diskussionen, auch aufgrund von Bedenken rund um den Denkmalschutz. Das Mainzer Rathaus und der angrenzende Jockel-Fuchs-Platz wurde von den dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling 1970 entworfen. Viele Teile des Platzes stehen unter strengem Denkmalschutz und wurden in den Leitplanken für die Bürgerbeteiligung rot markiert, als nicht veränderbar.
Eine Öffnung der Mauer zum Rhein stehe am stärksten im Widerspruch zur ursprünglichen Vision von Jacobsen erklärt Ralf Sadowski im Planungsbeirat: „Der Ort war als Aussichtsplattform auf den Rhein gedacht.“ Allerdings sei die Rheinpromenade keine Industriestraße, wie womöglich in den 70er Jahren angenommen, sondern wird intensiv von Fußgängern genutzt – viele Touristen kommen dort mit dem Boot an. In Zukunft soll hier nun eine Freitreppe einen barrierefreien und einfachen Weg in die Stadt eröffnen und den Blick auf den Dom freigeben.