Neue Tram-Strecke in Mainz: Auch Straßenbahn-Gegner zeigen sich

Beim Festakt zum neuen Mainzer Straßenbahn-Abschnitt in der Binger Straße sahen nicht alle nur das Gute in dem Projekt. Auch Gegner des Straßenbahnausbaus in Mainz zeigten sich am Samstag.

Neue Tram-Strecke in Mainz: Auch Straßenbahn-Gegner zeigen sich

Mit einem Bürgerfest ist am Samstagvormittag am Münsterplatz die neue Mainzer Straßenbahnstrecke in der Binger Straße eröffnet worden (wir berichteten). Bereit seit dem 10. August fahren die Straßenbahnen schon auf der neuen Strecke – nun folgte also der offizielle Teil. Viele Mainzer lauschten dabei den Redebeiträgen von OB Nino Haase (parteilos), Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) oder Daniel Gahr, dem Vorstandsvorsitzenden der Mainzer Stadtwerke. Doch längst nicht alle Zaungäste begrüßen, dass die Stadt Mainz auch weiterhin das Streckennetz der Straßenbahn ausbauen möchte.

Auch rund 50 Widersprecher der Straßenbahnstadt-Mainz versammelten sich vor Ort, um zum Teil mit Plakaten auf sich aufmerksam zu machen. Einer von ihnen: Prof. Dr. Bardo Kämmerer vom Verein „Lebenswerte Frankenhöhe e.V.“. Vor etwa eineinhalb Wochen hatte der neugegründete Verein mit einer Presseerklärung erstmals von sich reden gemacht (wir berichteten). Darin hieß es unter anderem in Bezug auf einen Straßenbahnstrecken-Ausbau zum Heiligkreuzviertel und auf den Großberg, die Planung stelle die Förderfähigkeit durch Bundesmittel in den Vordergrund und nicht die Lebensqualität der Menschen vor Ort.

Es geht um Lärm, Parkplätze und Bäume

Ein zentraler Kritikpunkt der Anwohner ist der bisher geplante Verlauf der Trasse: So würde mit der neuen Straßenbahn der zentrale Begegnungsplatz „Am Hewwel“ zu einem 45 Meter langen Bahnhof umgebaut werden. Der Platz würde damit als Ruhe- und Begegnungsstätte für Anwohner und Seniorenheimbewohner sowie als Fußballplatz für die Kinder wegfallen. Dies sei „völlig inakzeptabel“ und ein absolutes „NO-GO“ für den Verein. Im Gespräch mit Merkurist erklärt Kämmerer nun: „So eine Straßenbahn ist ja nicht leise, nur weil sie einen Elektromotor hat, sondern sie quietscht, wenn sie um die Kurven fährt und auch beim Anfahren, beim Bremsen. Also käme es durch den anfallenden Lärm zu einer Verschlechterung des gesamten Wohngebiets am Großberg.“

Zudem beklagen Kämmerer und seine Initiative, dass der Großberg bereits gut durch die Buslinien 76 und 64 angebunden sei, eine Straßenbahn sei aus ihrer Sicht also überhaupt nicht notwendig. Befürchtet würden außerdem der Wegfall von Parkplätzen oder die Gefährdung des Baumbestands vor Ort.

Kritik an Stadtspitze und Verkehrsdezernentin

Der Auftritt der rund 50 Straßenbahnausbau-Kritiker beim Festakt am Samstag ist laut Kämmerer bewusst keine angemeldete Demonstration. „Wir wollen hier gar nicht mit einer lautstarken Gegendemonstration stören. Es geht uns darum, unser Anliegen sichtbar zu machen“, erklärt er gegenüber Merkurist. „Aber wenn die Stadtspitze sich selbst dafür feiert, in rund zwei Jahren etwa 100 Meter Streckenabschnitt errichtet zu haben, dann kann man ruhig auch mal sagen: So toll ist das nicht, was ihr hier macht“, so Kämmerer weiter. „Aber wir sind legal hier, und wir müssen schon auch zeigen, dass nicht jeder das so toll findet wie die Verkehrsdezernentin.“

Letztlich geht es laut Kämmerer beim Straßenbahnausbau in Mainz um Steuergelder, denn auch die Zuschüsse vom Bund und Land seien schließlich genau das – Steuergeld. „Es gibt doch viel modernere Verkehrsmittel heutzutage als Straßenbahnen“, meint Kämmerer. Es gibt heute schon autonom-fahrende Stadtbusse und wir wollen uns die nächsten 60 Jahre an Straßenbahnen klammern? Das scheint mir keine gute Idee zu sein.“ Schließlich zeige die aktuelle Zeit, wie schnell der Fortschritt voranschreitet. „Das Leben ändert sich im Fünf-Jahres-Rhythmus komplett. Den Ausdruck KI habe ich vor fünf Jahren nur mal als Fremdwort gekannt.“ Geht es nach ihm und seinen Mitstreitern, dann waren die wenigen hundert Meter neue Bahnstrecke in der Binger Straße die letzten Schienen, die als Teil eines neuen Streckennetzes in Mainz verlegt worden sind.