Anwohner in Mainz-Hechtsheim kritisieren Pläne für Straßenbahn

Ein Anwohnerverein aus Hechtsheim kritisiert die Pläne für die neue Straßenbahn scharf. Befürchtet werden der Wegfall von Naherholungsflächen und von wichtigen Buslinien.

Anwohner in Mainz-Hechtsheim kritisieren Pläne für Straßenbahn

In einem Positionspapier übt der Hechtsheimer Verein „Lebenswerte Frankenhöhe e.V.“ scharfe Kritik am geplanten Straßenbahnausbau auf der Frankenhöhe in Mainz. Die Planung stelle die Förderfähigkeit durch Bundesmittel in den Vordergrund und nicht die Lebensqualität der Menschen vor Ort.

Ein zentraler Kritikpunkt der Anwohner ist der bisher geplante Verlauf der Trasse: So würde mit der neuen Straßenbahn der zentrale Begegnungsplatz „Am Hewwel“ zu einem 45 Meter langen Bahnhof umgebaut werden. Der Platz würde damit als Ruhe- und Begegnungsstätte für Anwohner und Seniorenheimbewohner sowie als Fußballplatz für die Kinder wegfallen. Dies sei „völlig inakzeptabel“ und ein absolutes „NO-GO“ für den Verein, heißt es. Befürchtet würden außerdem der Wegfall von Parkplätzen, die Gefährdung des Baumbestands sowie zusätzlicher Lärm und Erschütterungen in dem Gebiet, zusätzlich zum Fluglärm.

Außerdem würden mit der Straßenbahn die Buslinien 64 und 76 eingestellt werden. Damit entfiele die direkte Anbindung der Frankenhöhe an das Höfchen in der Innenstadt und den Bahnhof Römisches Theater. Auch für Schüler und Menschen aus Laubenheim gäbe es keine direkte Verbindung mehr zu den Schulen entlang der Hechtsheimer Straße. Die ÖPNV-Anbindung würde sich somit verschlechtern und nicht verbessern.

Verein zweifelt an Notwendigkeit

Nach Ansicht des Vereins rechtfertigen die aktuellen Fahrgastzahlen, insbesondere die der Buslinie 76, keine Erhöhung der Kapazitäten durch eine Straßenbahn. Ein Vorhaben müsse laut Gesetz aber „zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse dringend erforderlich“ sein. Dies treffe hier nicht zu.

Die Planer würden zudem eine kostengünstigere und schnellere Alternativroute zwischen Hauptbahnhof, Uniklinik und Heiligkreuz-Viertel über die Geschwister-Scholl-Straße und den Heiligkreuzweg nicht einmal erwähnen. Diese Strecke würde hauptsächlich durch Gewerbegebiete führen.

Kritik an veralteter Technik

Der Verein kritisiert außerdem, dass die Stadt an einem Beschluss aus dem Jahr 2020 festhalte und den „technologischen Fortschritt“ ignoriere, etwa moderne E-Busse und autonome Fahrsysteme. Da die geplante Straßenbahn erst ab etwa 2034 fahren solle, sei das Vorgehen der Stadt „völlig unverständlich“.

Der Verein fordert daher unter anderem, auf eine Straßenbahntrasse durch das Wohngebiet zu verzichten, die direkten Busverbindungen zu erhalten und die betroffenen Bewohner „intensiv in zukünftige Planungen“ einzubeziehen.

„Der Verein ist nicht grundsätzlich gegen ein Straßenbahnsystem“, schließen die Verfasser ihr Schreiben. „Es hat seine Berechtigung, wo der Bau von Trassenführungen auf einem separaten Gleiskörper möglich ist, genügend Raum für andere Verkehrsteilnehmer:innen vorhanden ist, die Beeinträchtigungen für Anwohner:innen zumutbar sind und schließlich der Bedarf/die Nachfrage für ein solches Verkehrssystem existiert. Für die vorgestellte Trassenführung trifft dies nicht zu.“

Verantwortliche prüfen Varianten

Erst Anfang des Monats hatte der Hechtsheimer Ortsbeirat zugestimmt, eine Teilfläche des städtischen Grundstücks an die Mainzer Verkehrsgesellschaft zu verkaufen. Hier soll die Wendeschleife für die Straßenbahn eingerichtet werden.

Von Seiten der Verantwortlichen hieß es noch Mitte Juni, dass für die Anbindung der Frankenhöhe auch Varianten untersucht werden, die nicht über die Bodenheimer Straße und den zentralen Platz „Hewwel“ führen. Wie die aktuellen Pläne für den Straßenbahnausbau nach Hechtsheim und Weisenau aussehen, könnt ihr hier nachlesen: