Wer am Montag bei Google Maps nach dem Mainzer Gautor sucht, findet stattdessen das „Gaytor“. Die bekannte Sehenswürdigkeit wurde, wie schon in der Vergangenheit, bei dem Kartendienst umbenannt.
Wer genau für die Umbenennung verantwortlich ist, ist bislang nicht bekannt. Bereits im vergangenen Sommer sorgte die kurzzeitige Umbenennung für Rätselraten. Laut der Stadtführerin für queere Touren in Mainz, Chiara Bach, war es auch damals nicht die erste Umbenennung. „Zuletzt ist das Gautor im November 2023 zu Gaytor umbenannt worden. Es hielt allerdings nur ein paar Tage“, sagte sie damals. Wer dahintersteckte, wusste auch sie nicht genau. „Ich vermute allerdings, dass es die Anwohner:innen oder vielleicht queere Aktivist:innen sein könnten.“
Verbindung zur queeren Geschichte der Stadt
Das Gautor spielt auch in Bachs Stadtführungen eine besondere Rolle. „Die Stadtführung beginnt aus verschiedenen Gründen an dem Standort. Zum einen wegen des lustigen Aufhängers, dass das Tor umbenannt wurde und sich dieses Wortspiel auch in der Gaustraße wiederfindet“, erklärt die Kulturanthropologin.
Zudem habe das Tor eine Verbindung zur queeren Geschichte von Mainz. In den 90er- und 00er-Jahren habe es die Zeitschrift „LUST“ für die queere Community gegeben. Darin sei empfohlen worden, nach einem Besuch in einer queer-freundlichen Kneipe in der Gaustraße einen Stadtspaziergang am Gautor zu starten.
Das Gautor war einst Teil des 1650 angelegten Festungsrings um die Stadt und bildete einen wichtigen Zugangspunkt. Es wurde 1998 in der Nähe seines ursprünglichen Standorts wieder aufgestellt und trennt seither die Altstadt von der Oberstadt.