WOW: Mainz ist bunt
Angekündigt war ein „Regenbogen-Zebrastreifen“, heraus kam ein bunter Streifen in der Fußgängerzone ohne Funktion im Straßenverkehr. Doch auch wenn an der Umsetzung einiges zu kritisieren ist: Das Zeichen ist richtig – und offenbar auch dringend nötig. Dutzende Merkurist-Leser und andere Internetnutzer regten sich über den Streifen und die vermeintliche Geldverschwendung auf.
Zugegeben, in Zeiten einer Haushaltssperre können auch vergleichsweise kleine Ausgaben überzogen wirken. Doch eine Frage drängt sich dabei auf: Wäre der Aufschrei bei einer neuen Mainzelmännchen-Ampel ähnlich gewesen? Auch dabei handelt es sich um ein reines Symbol – noch dazu um ein fiktives. Menschen der queeren Community hingegen sind echt. Sie sind Teil unserer Gesellschaft. Das zu akzeptieren, ist aber offensichtlich nicht so selbstverständlich, wie viele Kritiker es sich einreden wollen.
Von Veronika Dyks
GAU: Ärger um „Kinderaufsteller“ in Mainzer Wohngebiet
Für Verwirrung sorgte Anfang August eine Ansage der Stadtverwaltung an die Bewohner des Lerchenberger Wohnquartiers „Nino-Erné-Straße“. Diese hatten schon vor einigen Jahren Schilder und Figuren aufgestellt, die auf spielende Kinder hinweisen sollen und dass hier Rücksicht geboten ist. Aus heiterem Himmel dann schrieb das Verkehrsdezernat an Ortsvorsteherin Sissi Westrich (SPD): Alle Gegenstände müssten innerhalb von 14 Tagen entfernt werden, sonst würden sie entsorgt. Denn Verkehrsteilnehmer würden durch die Aufsteller behindert, zudem könnten Kinder übersehen werden.
Die Empörung von Westrich und den Bewohnern, zumal den Eltern, ist nachvollziehbar. Denn obwohl die Straße eine „verkehrsberuhigte Zone“ ist, war es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Fahrrad- und Autofahrern gekommen, die zu schnell unterwegs waren. Die Leute haben schlicht Angst um ihre Kinder. Dass auch Aufforderungen an die Stadt, hier mehr zu tun, nicht gefruchtet hatten, macht die Sache noch heikler.
Erst nachdem eine Ortsvorsteherin auf den Tisch gehauen und dem Dezernat den Spiegel vorgehalten hat, tut sich anscheinend etwas. Denn noch am selben Tag nach ihrem kritischen Schreiben an das Dezernat zog die Stadt auf einmal ihre Aufforderung zurück. „Vorerst“ seien die Aufsteller „geduldet“, man wolle nun „Maßnahmen prüfen“, die dafür sorgen könnten, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Bleibt zu hoffen, dass nun wirklich den Worten Taten folgen, und die Straße das wird, was sie sein soll: eine verkehrsberuhigte Zone, auf der alles, was Räder hat, in einem angemessenen Tempo durchfährt.
Von Sandra Werner