Radfahrer geben das Tempo vor: Das plant Koblenz auf der Balduinbrücke

Auf der Koblenzer Balduinbrücke sollen Radfahrer bald auf der Fahrbahn fahren – bei Tempo 30. Das soll die Sicherheit erhöhen, doch es gibt heftige Kritik an dem umstrittenen Verkehrsversuch.

Radfahrer geben das Tempo vor: Das plant Koblenz auf der Balduinbrücke

Die enge und konfliktreiche Verkehrssituation auf der Koblenzer Balduinbrücke soll durch einen einjährigen Verkehrsversuch entschärft werden. Radfahrer sollen künftig auf der Fahrbahn statt auf dem schmalen Seitenstreifen unterwegs sein (Merkurist berichtete). Der Stadtrat hat dem nun mehrheitlich zugestimmt. Das Vorhaben stößt jedoch auch auf Widerstand und ist an Bedingungen geknüpft.

Die Balduinbrücke ist eine wichtige Verbindung, die die nördlichen Stadtteile wie Lützel mit dem Zentrum verbindet. Bislang müssen sich Radfahrer und Fußgänger einen nur 3,60 Meter breiten Weg teilen, was laut Stadt vor allem in den wärmeren Monaten zu gefährlichen Situationen führt. In Spitzenzeiten seien dort bis zu 165 Fußgänger und 140 Radfahrer gleichzeitig unterwegs. Immer wieder müssen Fußgänger auf den Radweg ausweichen, während Radfahrer auf den Gehweg geraten, um zu überholen oder entgegenkommenden „Geister-Radlern“ Platz zu machen. Dieses Problem wird dadurch verschärft, dass Radfahrer von der Brücke kommend nicht legal links in die Burgstraße Richtung Altstadt abbiegen können.

Radfahrer auf der Straße, Tempo 30 für alle

Um die Konflikte zu beenden, plant die Stadt, die Radfahrer auf die Fahrbahn zu verlegen. Zu ihrer Sicherheit soll auf der gesamten Brücke die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt werden. Zusätzlich soll ein Überholverbot für Autos und Lkw gegenüber Radfahrern gelten, sodass sich der motorisierte Verkehr dem Tempo der Radler anpassen muss.

Die beiden Fahrstreifen werden dafür auf jeweils drei Meter verengt. Der bisherige kombinierte Geh- und Radweg wird zu einem reinen Gehweg, auf dem Radfahren nur noch in Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist. Während des Versuchs will die Verwaltung genau beobachten, ob es zu Verkehrsverlagerungen auf andere Routen kommt.

Mini-Kreisel soll Altstadt vom Durchgangsverkehr befreien

Als zweite, dauerhafte Maßnahme plant die Stadt den Umbau der Kreuzung am Brückenende zur Burgstraße in einen Mini-Kreisverkehr. Der Clou: Die Einfahrt in die Burgstraße wird für den Autoverkehr gesperrt. Nur noch Radfahrer dürfen an dieser Stelle legal in Richtung Altstadt abbiegen. Damit reagiert die Verwaltung auf Verkehrszählungen, wonach 85 bis 90 Prozent des Autoverkehrs die Altstadtgassen nur als Abkürzung nutzen. Die Ausfahrt aus der Altstadt über die Burgstraße bleibt für alle Fahrzeuge möglich.

Die Umsetzung der Maßnahmen ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Die Gesamtkosten werden auf rund 263.000 Euro geschätzt, wobei die Stadt auf eine hohe Förderquote hofft. Für die Koblenzer Verkehrsbetriebe (koveb) rechnet die Stadt durch den Einsatz von mehr Bussen und Personal mit zusätzlichen Kosten von rund 410.000 Euro.

„Wahnsinn mit Ansage“: Kritik und Bedingungen

Trotz der Zustimmung im Stadtrat mit 13 Gegenstimmen ist das Projekt stark umstritten. Die Freien Wähler bezeichnen das Vorhaben in den sozialen Medien als „Wahnsinn mit Ansage“ und kritisieren es als „grünen Feldversuch“. Ihre Sorge ist, dass ein langsamer Radfahrer den gesamten Verkehr inklusive Bussen ausbremsen könne. Auch AfD, WGS und FDP äußerten sich kritisch.

Die Bürgerinitiative „Unsere Altstadt“ bemängelt das Fehlen eines strategischen Gesamtkonzepts und klar definierter Erfolgskriterien für den Versuch. Der Stadtrat hat daher eine Auflage beschlossen: Bevor der Kreisverkehr gebaut wird, muss die Verwaltung ein umfassendes Verkehrskonzept für die gesamte Altstadt zwischen Peter-Altmeier-Ufer und Friedrich-Ebert-Ring vorlegen.