Nach einem mutmaßlichen Sexualverbrechen an einer 11-jährigen Schülerin in Koblenz-Lützel gibt es eine entscheidende Wende: Wie die Staatsanwaltschaft Koblenz am Dienstag mitteilte, wurde das Ermittlungsverfahren gegen zwei junge Männer im Alter von 18 und 20 Jahren eingestellt. Der Tatverdacht gegen sie ließ sich nicht erhärten. Die Ermittler reagieren damit auch auf zahlreiche Falschinformationen, die in sozialen Netzwerken kursieren.
Dem Fall liegt die Anzeige der Mutter eines 11-jährigen Mädchens vom 1. Mai zugrunde. Ihre Tochter gab an, am 28. April in einer Schultoilette in Lützel während einer Pause von zwei männlichen Personen sexuell missbraucht worden zu sein (Merkurist berichtete).
Alibis und fehlende Spuren entlasten Verdächtige
Die Ermittlungen richteten sich zunächst gegen einen 20-jährigen und einen 18-jährigen afghanischen Staatsangehörigen. Eine umfassende Prüfung entlastete die beiden Männer jedoch. Laut Staatsanwaltschaft ergab die Auswertung ihrer Handydaten, dass sie sich zur angegebenen Tatzeit nicht am Tatort befanden. Zudem hätten beide Verdächtige belastbare Alibis, die durch Zeugen bestätigt wurden.
Auch die Spurensuche blieb ohne Ergebnis. Es wurden keine DNA-Spuren oder andere kriminaltechnische Beweise gefunden, die auf die Beschuldigten hindeuten. Die Ermittler widerlegten zudem Gerüchte, es existiere ein Video, in dem einer der Männer mit der Tat prahle. Eine solche Aufnahme gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Da sich trotz des belebten Schulbetriebs keine Zeugen für den Vorfall fanden, könne das Tatgeschehen nicht mit Gewissheit bestätigt werden. Das Verfahren wird nun gegen Unbekannt weitergeführt.
Warnung vor Hetze und zweiter Fall
Die Staatsanwaltschaft und die Polizei bitten eindringlich darum, die Unschuldsvermutung zu respektieren und sich nicht an Spekulationen oder Hasskampagnen in sozialen Netzwerken zu beteiligen. Strafbare Inhalte würden konsequent verfolgt. Eine besondere Gefährdungslage für Kinder an Koblenzer Schulen bestehe derzeit nicht.
Unabhängig von diesem Fall bleibt der 20-jährige Mann in Untersuchungshaft. Ihm wird in einem anderen Verfahren die Vergewaltigung eines 12-jährigen Mädchens am 16. April in der Koblenzer Innenstadt vorgeworfen. Er soll das Kind, das er über soziale Medien kannte, in einen Hausflur gelockt und sich dort an ihm vergangen haben. Die Ermittlungen hierzu dauern an.