Die Geheimnisse von Koblenz: Was an den bekannten Mythen dran ist

Ein Werwolf auf der Karthause, ein Geheimtunnel unter dem Rhein und die wahre Identität des Augenrollers: Um Koblenz ranken sich viele Sagen. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter den Erzählungen?

Die Geheimnisse von Koblenz: Was an den bekannten Mythen dran ist

Lange bevor soziale Medien Gerüchte in Sekundenschnelle verbreiten konnten, erklärten sich die Menschen ihre Welt auf andere Weise: durch Erzählungen, Aufzeichnungen und mündliche Überlieferungen, im Koblenzer Volksmund auch als Steckelcher bezeichnet. So entstanden auch einige Sagen, die sich bis heute um die Stadt ranken. Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich hinter den bekannten Mythen?

Der Werwolf von der Karthause

Vor rund 300 Jahren soll ein gewissenloser Räuber die Koblenzer Bürger in Angst und Schrecken versetzt haben. Die Legende besagt, er habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, der ihm die Fähigkeit verlieh, sich in einen Werwolf zu verwandeln. Sein Ende fand er, als er bei einem seiner Raubzüge von einem Felsen stürzte und sich das Genick brach. Doch auch nach seinem Tod trieb der Werwolf auf der Karthause weiter sein Unwesen, wie rheinländische Sagen und Berichte aus dem Umfeld des Karthäuserhofklosters erzählen.

Selbstverständlich gibt es auf der Karthause keine Werwölfe, doch wie viele Sagen, hat auch diese Geschichte einen wahren Kern. Sie entstand in einer Zeit, als Koblenz mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zu kämpfen hatte.

Der Stadtteil Karthause war damals, anders als heute, kein Wohngebiet, sondern ein abgelegener Höhenzug außerhalb der Stadt, bekannt als Beatusberg oder Karthäuser Berg. Das Landschaftsbild wurde vom Karthäuserkloster, Waldflächen und vereinzelten Wegen geprägt. In dieser abgeschiedenen Umgebung waren Gefahren keine Seltenheit. Einerseits waren Wölfe in den waldreichen Gebieten der Region zu dieser Zeit heimisch und stellten in den Wäldern eine gefürchtete Bedrohung dar. Hinzu kam die Angst vor Überfällen durch Straßenräuber auf abgelegenen Wegen, die damals zum Alltag vieler Reisenden gehörte.

Der Geheimtunnel unter dem Rhein

Weit verbreitet ist auch der Mythos eines preußischen Geheimtunnels unter dem Rhein, der die Festung Ehrenbreitstein mit der Koblenzer Innenstadt verbinden sollte.

Tatsächlich existiert ein Tunnel unter dem Rhein. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen militärischen Geheimgang, sondern um einen Versorgungs- und Kommunikationstunnel, der Anfang der 1980er-Jahre errichtet wurde. Ein Unterwassertunnel dieser Art wäre mit den technischen Möglichkeiten zur Zeit der preußischen Herrschaft nicht möglich gewesen.

Im 19. Jahrhundert setzte man für die Rheinüberquerung stattdessen auf den Brückenbau: Mit der zwischen 1862 und 1864 errichteten Pfaffendorfer Brücke erhielt Koblenz seine erste feste Rheinbrücke. Dennoch gibt es in Koblenz eine Vielzahl an unterirdische Gängen, die aus der preußischen Festungszeit stammen. Sie sind Teil der weitläufigen Festungsanlagen an Land, etwa in der Festung Ehrenbreitstein oder der Fort Konstantin, wo sie als Verbindungsgänge, Lagerräume oder Schutzräume für Soldaten dienten.

Das Rätsel um den Augenroller

Eine weitere bekannte Legende dreht sich um den Augenroller am Alten Kaufhaus auf dem Koblenzer Florinsmarkt. Der Sage nach soll die Figur an den Raubritter Johann Lutter von Kobern (*unbekannt; † 1536 ) erinnern, der bei seiner Hinrichtung dem Publikum die Zunge herausgestreckt haben soll. Als das Gebäude ab 1724 umgestaltet wurde, erhielt die Turmuhr den Kopf mit den beweglichen Augen.

Historiker sind sich jedoch unschlüssig, ob der Raubritter tatsächlich im Zusammenhang mit dem Augenroller steht. Der Grund: Die Erzählung tauchte erst lange nach der Anbringung der Figur auf. Neben der bekannten Verbindung zu Johann Lutter von Kobern gibt es weitere Erklärungsansätze: Manche sehen in der Figur eine Spottfigur, etwa den ältesten Koblenzer Junggesellen, der beim Anblick hübscher Frauen die Augen verdreht. Andere vermuten wiederum eine symbolische Bedeutung. Mehr zur Geschichte des Augenrollers gibt es hier.