Im Durchschnitt kauft jeder Deutsche 60 Kleidungsstücke pro Jahr. Doch davon endet fast jedes fünfte Stück ungetragen im Kleiderschrank. Während der „Fast Fashion Trend“ den Überkonsum von Kleidung weiter antreibt, entwickelt sich gleichzeitig eine Gegenbewegung: Auch wenn Mode aus zweiter Hand noch vor wenigen Jahren als verpönt galt, ist Second Hand heute so beliebt wie nie. Das gezielte Stöbern in Secondhand-Läden ist inzwischen so populär geworden, dass sich dafür ein eigenes Wort durchgesetzt hat: „Thriften“.
Auch in Koblenz ist das Angebot an „Thriftshops“ in den vergangenen Jahren gewachsen. Eine Übersicht:
Neue Konzepte für die Koblenzer Altstadt
Im Oktober vergangenen Jahres haben die Koblenzer Studentinnen Noa und Hannah im Altenhof 7 ihren eigenen Vintage Store Attiko eröffnet (Merkurist berichtete). „Ein typisches Attiko-Teil ist ein Kleidungsstück, das man nicht überall findet, das sich gut anfühlt und einfach zu jemandem passt“, erklären die Gründerinnen. In ihrem Concept Store, den sie gemeinsam mit The Cube betreiben, setzen sie auf Nachhaltigkeit und kaufen Kleidung direkt von Privatpersonen an. „Kleidung weiterzugeben und im Kreislauf zu halten, ist für uns die ehrlichste Form von nachhaltigem Konsum“, betonen sie.
Seit Februar 2024 gibt es in der Gemüsegasse MJ’s Vintageshop. Vor der Eröffnung vor knapp zwei Jahren gab es in Koblenz zwar einige Läden, die gebrauchte Kleidung anboten, doch eine reine Spezialisierung auf Vintage-Stücke war in der Stadt neu. Obwohl die Begriffe Secondhand, Retro und Vintage umgangssprachlich häufig als Synonym verwendet werden, meinen sie unterschiedliche Konzepte. Entscheidend ist das Alter des Stückes: Als Vintage gilt Kleidung, die mindestens 20 bis 30 Jahre alt ist, unabhängig ob sie neu oder gebraucht ist.
Gründer Jason Bonk konzentriert sich in seinem Shop besonders auf Stücke der 80er- und 90er-Jahre. Bonk betont in seinen Videos auf Social Media, dass er die Kleidung nicht in Massen kaufe, sondern jedes Teil einzeln auswähle. Einen besonderen Fokus lege er dabei auf Kleidung, die aus den USA importiert wurde. Ein Teil des Angebots ist zusätzlich in einem Onlineshop verfügbar.
Von Luxus-Ware bis zu Designer-Stücken
Zwischen Gründerzeithäusern und kultigen Kneipen liegt mitten der Koblenzer Altstadt Lisa-First Class aus zweiter Hand. Seit knapp vierzig Jahren ist der Gebrauchtwarenladen in der Eltzerhofstraße 4 eine feste Größe in der Stadt. Wie der Name bereits verrät, liegt hier der Schwerpunkt auf hochwertige gebrauchte Damenmode, darunter auch Designer-Ware aus dem Luxus-Segment.
Auf Designermode aus zweiter Hand hat sich ebenfalls Second Style am Löhrrondell spezialisiert. Der Store, der bereits seit 2005 existiert, bietet Einzelstücke internationaler Top-Labels an. Hierbei reicht das Angebot von Teilen international führender Luxusmarken bis hin zu Vintage-Designertaschen und wird täglich um neue Ware ergänzt. Zudem bietet Second Style Kunden die Möglichkeit eigene Designerartikel auf Kommissionsbasis zum Verkauf anzubieten.
Einkaufen und Gutes tun
In der Schloßstraße 26 befindet sich seit über 25 Jahren Oxfam. Das Geschäft ist Teil einer internationalen Hilfsorganisation. In Koblenz engagieren sich hier rund 70 Ehrenamtliche, die gespendete Waren wie Kleidung, Bücher, Haushaltsgegenstände und Schmuck verkaufen. Hierbei versteht sich der Laden nicht als Sozialkaufhaus, sondern ist für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich. Montags bis samstags können in der Koblenzer Filiale Sachspenden bis 30 Minuten vor Ladenschluss abgegeben werden. Alle erzielten Einnahmen fließen in die weltweiten Nothilfe- und Entwicklungsprojekte der Organisation.
Der Kleiderladen in der Hohenzollernstraße 118-120 ist Teil eines Ehrenamtsprojekt der Caritas. Das Hauptziel ist es zwar, Menschen mit geringem Einkommen den Zugang zu qualitativ guter Kleidung zu ermöglichen, die Betreiber betonen jedoch, dass jeder Kunde einen positiven Beitrag leiste. Ein Einkauf bei der Kleiderladen schone nicht nur die Umwelt, sondern unterstütze gleichzeitig auch die Schaffung von Inklusionsarbeitsplätzen. Neben einem Angebot an Kleidung für Kinder, Damen und Herren werden auch Fahrräder aus der Caritas-Werkstatt und kleinere Haushaltsgegenstände verkauft. Sachspenden in Form von gut erhaltener Kleidung können durchgehend während der Öffnungszeiten abgegeben werden.