Drei Monate nach dem spektakulären Meteoriteneinschlag in ein Wohnhaus in Koblenz-Güls warten Wissenschaftler noch immer auf die größten Fragmente des Himmelskörpers. Am 8. März hatte der Brocken aus dem All das Dach des Hauses durchschlagen. Verletzt wurde dabei niemand. Für die Forschung ist der sogenannte „Hammer-Fall“ – ein beobachteter Einschlag in ein Gebäude – eine Sensation, doch die wissenschaftliche Aufarbeitung stockt (Merkurist berichtete).
Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, befinden sich die Hauptfragmente weiterhin im Besitz des Hauseigentümers. Zwar konnten Forscher bereits kleine Krümel untersuchen, die nach dem Einschlag auf einem benachbarten Hof gefunden wurden, doch für eine vollständige Analyse reicht dies nicht aus.
Offizielle Klassifizierung nicht möglich
„Wir haben circa ein Gramm Material zur Untersuchung bekommen“, erklärt Markus Patzek vom Institut für Planetologie der Universität Münster. Erste Analysen deuten darauf hin, dass es sich um einen seltenen Steinmeteoriten handelt, einen sogenannten Eukriten, der wahrscheinlich vom Asteroiden Vesta stammt. Für eine offizielle Klassifizierung und internationale Registrierung ist das aber zu wenig. Laut den Regeln der internationalen Meteoritik müssen mindestens 20 Gramm des Materials in einer wissenschaftlichen Sammlung hinterlegt werden. Erst dann erhält der Fund einen offiziellen Namen.
„Obwohl wir bereits viel über den Meteoriten wissen, ist eine offizielle Klassifikation bis dato nicht möglich“, so Patzek. Besonders schade sei dies, da der Meteorit nach ersten Erkenntnissen eine Brekzie sei – ein durch Einschläge zertrümmertes und wieder verfestigtes Gestein. „Eine Brekzie ist ein durch Impakte zwischen Asteroiden zertrümmertes und wieder verfestigtes Material, das viel über die Geschichte des selbigen verraten kann“, erklärt der Wissenschaftler. Er befürchtet, dass solches Material ins Ausland verkauft und damit für die Forschung unzugänglich werden könnte.
Wissenschaftler hoffen auf Zusammenarbeit
Da es keine rechtliche Handhabe gibt, die Herausgabe zu fordern, sind die Forscher auf die freiwillige Kooperation des Eigentümers angewiesen. Stephan Decker vom Meteoriten-Museum in Oberwesel betont, dass für die wissenschaftliche Bearbeitung nur eine Probe von etwa 20 Gramm benötigt wird. Das restliche Material würde vollständig im Besitz des Eigentümers bleiben. „Nur gemeinsam kann dieser bedeutende Fund vollständig untersucht und offiziell erfasst werden“, sagt Decker.
Das Interesse an dem Fund ist in der Region groß. Das Museum in Oberwesel plant für den Herbst, die bereits gesicherten Kleinstfragmente in einer Vitrine auszustellen. Währenddessen hoffen die Wissenschaftler weiter auf eine Zusammenarbeit. Eine offizielle Registrierung des Falls wäre laut Patzek für die Forschung, die Öffentlichkeit und auch den Eigentümer von Vorteil.
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