Am ZF-Standort in Koblenz herrscht eine gemischte Lage: Während die Zukunft für rund 300 Beschäftigte einer ausgegliederten Sparte gesichert ist, kämpft die IG Metall weiterhin gegen den geplanten Abbau von 500 weiteren Arbeitsplätzen. Wie Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, gegenüber Merkurist berichtet, laufen die Verhandlungen auf Hochtouren, um Kündigungen zu vermeiden.
Für die rund 300 Mitarbeiter des Fahrassistenzbereichs (Division U) gibt es gute Nachrichten. Die bereits beschlossene Ausgliederung in eine neue Gesellschaft und der anschließende Verkauf an Harman International verlaufe „äußerst geordnet und gut“, berichtet Yener. Für die Beschäftigten konnten umfassende Garantien ausgehandelt werden. „Wir haben die Entgelte abgesichert, wir haben die Arbeitsplätze abgesichert und wir haben die Standorte abgesichert“, erklärt der Gewerkschafter. Der Übergang erfolgt in die neue, tarifgebundene „ZF CapriNewCo GmbH“ (wir berichteten).
Freiwilligenprogramm reicht bei Weitem nicht aus
Weniger positiv sieht die Situation für die restliche Belegschaft am Standort aus. ZF beabsichtigt weiterhin, rund 500 Arbeitsplätze abzubauen. Die IG Metall lehnt dabei einen verlagerungsbedingten Abbau strikt ab, zeigt sich aber offen, über marktbedingte Rückgänge zu verhandeln. Um betriebsbedingte Kündigungen zu umgehen, wurde ein Freiwilligenprogramm aufgelegt. Doch die Zahl der Interessenten reicht laut Yener „bei Weitem nicht“, um das Ziel von 500 Stellen zu erreichen.
Bis Ende Juni muss daher eine kreative Lösung gefunden werden, um ohne Entlassungen auszukommen. Die Gespräche mit dem Arbeitgeber seien zwar konstruktiv, aber noch nicht abgeschlossen. Das oberste Ziel der Gewerkschaft sei klar formuliert: „keine Kündigung am Standort und eine Perspektive im Rahmen eines Zielbildes bis mindestens 2031.“
Arbeitszeitreduzierung als mögliche Lösung
Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt die IG Metall verschiedene Instrumente vor. Neben weiteren Freiwilligenprogrammen oder Altersteilzeitmodellen könnte auch eine Reduzierung der Arbeitszeit eine Option sein. Auf diese Weise ließe sich die vorhandene Arbeit auf mehr Schultern verteilen und so Beschäftigung in der Region sichern. Ob diese Maßnahmen am Ende ausreichen, um Kündigungen vollständig zu vermeiden, werden die kommenden Wochen zeigen.