Am Koblenzer Hauptbahnhof haben Züge bundesweit die höchste durchschnittliche Verspätung. Das berichtet „Funk“, ein Online-Content-Netzwerk von ARD und ZDF, in einer aktuellen Auswertung. Demnach liegt die durchschnittliche Verspätung der Züge am Koblenzer Hauptbahnhof bei rund 19 Minuten.
Die Daten für die Analyse stammen vom Datenanalysten Piet Brömmel, der Informationen von den 100 größten deutschen Bahnhöfen sammelt. Auf Anfrage von Merkurist konnte die Deutsche Bahn die Zahlen jedoch nicht bestätigen. Dem Unternehmen seien die Daten nicht bekannt und es sei unklar, wie sich die Zahlen zusammensetzen.
Linke Rheinstrecke an der Kapazitätsgrenze
Der Koblenzer Hauptbahnhof gilt mit rund 28.000 Reisenden und Besuchern pro Tag als ein zentrales Drehkreuz im gesamten Rhein-Mosel-Lahn-Gebiet. Die Hohe Auslastung der Strecken um den Koblenzer Hauptbahnhof ist jedoch ein bekanntes Problem. Bereits auf eine frühere Merkurist-Anfrage zu den auftretenden Verspätungen und Zugausfällen auf der Strecke zwischen Koblenz und Mainz (Merkurist berichtete), antwortete das Unternehmen: „Die linke Rheinstrecke gehört zu den hochausgelasteten Bahnstrecken in Deutschland.“ Die Strecke wird von einer Mischung aus Fern-, Regional- und einer Vielzahl an Güterzügen genutzt, was sie laut Bahn „an ihre Kapazitätsgrenze“ bringe. Folglich lösen bereits kleinste Störungen eine Art Dominoeffekt aus und übertragen sich auf nachfolgende Züge.
Laut dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Nord Rheinland-Pfalz (SPNV-Nord) verschärft sich die Lage zusätzlich, da die Strecke häufig als Umleitung für andere gesperrte Verbindungen dient. Ein aktuelles Beispiel sei die Sanierung der rechten Rheinstrecke, die noch bis zum 12. Dezember 2026 andauern soll (Merkurist berichtete). Ein Großteil des Güterverkehrs werde deshalb auf die linke Rheinseite umgeleitet, was teilweise zu Einschränkungen im Personenverkehr führt.
Dass die hohe Auslastung die gesamte Region betrifft, zeigt ein Blick weiter nördlich nach Bonn: Der dortige Hauptbahnhof landet in der „funk“-Auswertung mit einer durchschnittlichen Verspätung von 18 Minuten auf dem zweiten Platz.
Geplante Sanierungen als Lösung
Um die Zuverlässigkeit der Zugverbindungen in Zukunft zu erhöhen, plant die zuständige DB InfraGO umfassende Generalsanierungen (Merkurist berichtete). Nach der Sanierung der rechten Rheinstrecke soll 2028 die linke Rheinstrecke zwischen Remagen und Mainz folgen. Zwar bedeute dies für Fahrgäste zunächst kurzfristig weitere Verzögerungen, langfristig sollen die Maßnahmen jedoch für eine spürbare Verbesserung sorgen. Während der Bauphase soll ein „umfangreiches Ersatzkonzept mit modernen Bussen und dichter Taktung“ die Einschränkungen minimieren.
Große Hoffnung setzt der SPNV-Nord zudem auf die Nachrüstung des sogenannten Gleiswechselbetriebs (GWB). Dadurch sollen Züge in Zukunft bei Störungen signalgesteuert auf das Gegengleis auszuweichen, ohne dass dafür wie bisher „zeitaufwändige schriftliche Befehle übermittelt werden müssen“.